26.1.16

Ein Atem

BRD, Griechenland 2015 Regie: Christian Zübert mit Jördis Triebel, Chara Mata Giannatou, Benjamin Sadler, Apostolis Totsikas 100 Min. FSK: ab 12

„Wir sind in dem Alter, wo etwas passieren müsste, aber wir sitzen in deinem Kinderzimmer und tun nichts." Mit diesem Statement eines jungen Paares kann man auch die furchtbare Situation von Menschen in Griechenland zusammenfassen. Elena (Chara Mata Giannatou) bleibt nichts anderes, als in Deutschland als Kindermädchen zu arbeiten, denn „hier bekommen wir nur vier Euro die Stunde". Pointiert werden noch die Erziehungsmethoden der deutschen Karriere-Mutter Tessa (Jördis Triebel) vorgeführt, doch es ist schon schmerzhaft zynisch, wie sich die unausgeglichene Mutter das im bequemen Leben eigentlich unpassende Kind hinterhertragen lässt, während Elena voller Panik mit Blutungen eine Fehlgeburt befürchtet. Dazu unverschämte Bemerkungen und die Forderung, für wenig Geld Kindermädchen und Dienstbotin gleichzeitig zu sein. Dann führt eine Verkettung von Umständen und kleinen Dramen zu einer griechisch-deutschen Komödie. Das Kind verschwindet, Elena flieht panisch zurück nach Athen, die hysterische Tessa reist ihr hinterher...

Der sozio-ökonomische Rahmen ist kurz und treffend gezeichnet, das packende und erschütternde Drama dicht und genau erzählt. In der raffinierten Montage erleben wir durch einen neuen Erzählstrang die Handlung aus der Perspektive von Tessa. Dabei verliert sich jede klischeemäßige oder nationalistische Vorverurteilung. Beide Frauen sind vor allem Mütter, wobei die Griechin doch letztendlich die Verliererin sein wird. Und das bittere Fazit des deutschen Paares lautet: „Wir haben wirklich Glück."

Christian Zübert, der schon mit „Lammbock" sein Komödien-Vermögen bewies, führt hier äußert sicher Leben und Europa-Politik zusammen. Im Zentrum von „Ein Atem" stehen die Frauen, Männer an ihrer Seite versagen alle in den entscheidenden Momenten. Nur der Regisseur überzeugt auf ganzer Linie.

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