11.1.16

Die dunkle Seite des Mondes (2015)

BRD, Luxemburg 2015 Regie: Stephan Rick mit Moritz Bleibtreu, Jürgen Prochnow, Nora von Waldstätten, Doris Schretzmayer 98 Min. FSK: ab 12

„Die dunkle Seite des Mondes" wird wohltemperiert ausgeleuchtet von einer Fernsehlampe. Selbst die strahlenden Leistungen von Moritz Bleibtreu und Jürgen Prochnow machen diesen weiteren Martin Suter-Roman nicht zu einer wirklich dunklen Geschichte.

Diesmal wird bei Suter die kühle Banken-Fassade Frankfurts mit atavistischen Natur-Elementen konfrontiert: Urs Blank (Moritz Bleibtreu), eine teuer angezogene Heuschrecke, regelt als Wirtschaftsanwalt Firmenübernahmen, bis sich ein von ihm reingelegter Geschäftspartner vor seinen Augen erschießt. Danach beginnt Blank eine Affäre, nimmt halluzinogene Pilze, um seiner Frau danach kurz mitzuteilen: „Ich will das alles nicht mehr, uns." Außerdem schlägt er bei seiner Neuen im Drogenrausch mal kurz zu, erwürgt ihre geliebte Katze, provoziert mit einem anderen Raser einen furchtbaren Auffahrunfall, gibt dem von seinem Boss (Prochnow) erlegten Reh den Gnadenstoß, lässt also endlich mal „die Sau raus". Dieses neue animalische Verhalten macht auch bei den Bossen Eindruck, nur Blank selber kommt mit sich nicht mehr zurecht.

Eine ganze Menge Holz, was da aus der Begegnung des kapitalen Anwalts mit dem Mythos Wald geschlagen wird. Kurioserweise sind gleich die neue Geliebte mit Hang zum Hippie-Sein als auch der neue Auftraggeber aus dem Wald „entsprungen". Bleibtreus gut gespielter Blank verhält sich,
dafür, dass er mit ganzen Konzernen jongliert, überraschend unsicher mit anderen Menschen und auch in der Welt. Vor allem in der Welt von Lucille (Nora von Waldstätten), die in nach der ersten gemeinsamen Nacht mit „Willkommen im Leben" begrüßt. Sie hilft auch dem Offensichtlichen mit der Erkenntnis nach, „So ein Pilz ruft doch nur das hervor, was sowieso schon in dir steckt".

Offensichtlich ist sowieso so recht alles. Aber dann leider auch wieder nicht so schön genremäßig wie etwa Jack Nicholson als „Wolf". Die „Dunkle Seite des Mondes" funktioniert als pessimistischer Krimi über die dunkle Seite des Bankenviertels und der Pharma-Industrie nicht richtig, ebenso wenig als mystischer Erkenntnis-Trip, und eine Pink Floyd-LP ist auch nirgendwo zu sehen. Dafür ein recht durchschnittlicher Fernsehfilm.

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