11.1.16

Creed

USA 2015 Regie: Ryan Coogler mit Michael B. Jordan, Sylvester Stallone, Tessa Thompson, Phylicia Rashad 133 Min.

Dieser Schlag kommt völlig unerwartet aus einer anderen Richtung: Auch wenn man beim deutschen Titel etwas nachhelfen musste - ja, es geht um „Rocky" und Sylvester Stallone spielt mit. Doch Co-Autor und Regisseur Ryan Coogler hat mit „Rocky - Episode 7" einen erfolgreichen Neustart der alten Boxfilm-Legende hinbekommen. Dabei war Coogler „Nächster Halt: Fruitvale Station" ein großartiges, brandaktuelles Sozial-Drama über die rassistische Gewalt der Polizei gegen afroamerikanische Jugendliche. Mit Michael B. Jordan in der Hauptrolle, der jetzt neben Sylvester Stallone spielt.

40 Jahre nachdem Rocky Balboa als Newcomer im ersten „Rocky"-Film den Champion herausforderte, geht der Sohn seines größten Gegners, Apollo Creed, den gleichen Weg. Adonis Johnson Creed (Michael B. Jordan) ist ein wütender schwarzer Mann, der seinen Vater nie kannte. Der war mit einer anderen Frau verheiratet und starb vor Adonis' Geburt. Die Wut lässt sich auch durch Ausbildung und guten Job nicht besänftigen. Außerdem will auch der junge Creed boxen, so sehr, dass er sich in eine Projektion des Film-Fights von Rocky gegen Apollo stellt, um mitzukämpfen. Deshalb zieht er von Hollywood nach Philadelphia, um Rocky Balboa als Trainer zu reaktivieren. Scherze über den altmodischen Restaurant-Chef, der Creed anfangs nicht trainieren will, machen die Fortsetzung entspannt unterhaltsam. Eine glaubhafte Liebe vervollständigt die bekannten Elemente. Bill Contis Melodie zu „Gonna Fly Now" wird respektvoll variiert.

Nach „Southpaw" mit Jake Gyllenhaal ist „Creed" der zweite neuere Box-Film, der neue Wege geht. In einem Schlüsselmoment folgt die Kamera nicht dem jungen Boxer Creed in den Ring, sondern bleibt bei beim alten Trainer am Rand. Denn „Creed" wagt die Verbindung zweier Kämpfe: Gegen den Gegner im Ring und gegen den Krebs. Es geht noch einmal die berühmten Treppen hoch, doch der alte, kranke Mann schafft sie jetzt kaum mehr.

Dass Sylvester Stallone für diesen Part gerade mit einem, seinem ersten, Golden Globe als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde, ist teilweise der Begeisterung zuzuschreiben, diesen Rocky und Rambo endlich mal in einer Charakterrolle zu sehen. Und der nette, alte Onkel steht ihm besser als der Action-Held im Rentenalter. So sorgt Stallone für das Sentiment, aber auch für den Spaß mit altmodischem Training im Hühnerhof.

„Creed" ist nicht der typische Boxer-Film, auch nicht der übliche Sozial-Kampf eines Junges von ganz unten gegen sich selbst. Es geht viel um alte und neue Freundschaften, ein überraschendes Paar. Die Handlung verläuft angenehm undramatisch, aber es muss leider auch geboxt werden, was mit der neuerlich üblichen sichtbaren Anwesenheit der Filmkamera am Boxring recht unspektakulär geschieht.

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