20.12.15

Mr. Holmes

Großbritannien, Frankreich, USA 2015 Regie: Bill Condon mit Ian McKellen, Laura Linney, Milo Parker, Hiroyuki Sanada 104 Min. FSK ab 0

Welch eine Tragik: Der Meisterdetektiv Sherlock Holmes, der sich an jedes Detail in seinen Fällen erinnern konnte, dem keine Kleinigkeit entging, er erinnert sich nicht mehr. Regisseur Bill Condon („Breaking Dawn - Biss zum Ende der Nacht", „Chicago", „Gods and Monsters") gelingt mit Sir Ian McKellen als altem „Mr. Holmes" erneut ein Meisterwerk.

Der 93-jährige Sherlock Holmes (Ian McKellen) verbringt seinen Lebensabend zurückgezogen auf seinem Landsitz in Sussex, im Exil. Dies als Strafe, wofür weiß er nicht mehr. Denn Holmes ist nicht nur gebrechlich, sondern auch dement. Nur Roger (Milo Parker), der aufgeweckte und neugierige Sohn der Haushälterin Mrs. Munro (Laura Linney) inspiriert ihn noch, seinen letzten Fall zu lösen und seine erste Geschichte selbst zu schreiben. Vom Fall, der ihn vor 30 Jahren dazu brachte, sich aus dem Detektivgeschäft zurückzuziehen. Es ging um eine schöne Frau und Japan spielte eine Rolle. Dabei führt die Spur - wie bei allen guten Detektivgeschichten - zu ihm selbst zurück: Holmes, der doch nur eine Figur aus billigen Groschenromanen war, wie er selbst kommentiert, entdeckt die Tragik seines eigenen Lebens die Diktatur der reinen Logik, an der Menschen zugrunde gingen.

Wie erwartet, begeistert Regisseur Bill Condon („Gods and Monsters") in der raffinierten Verfilmung des Romans „A Slight Trick of the Mind" von Mitch Cullin mit dem Charakter- und Gandalf-Darsteller Sir Ian McKellen als Mr. Holmes. Schon vor 17 Jahren arbeiteten sie zusammen in dem großen humanistischen Meisterwerk „Gods and Monsters" über James Whale, den Regisseur des großen humanistischen Meisterwerks „Frankenstein". So wie damals der schwule Regisseur mit dem verfolgten Monster verschmolz, verbinden sich nun die Facetten des brillanten Analytikers mit denen des hilflosen alten Mannes, die des Autors mit seiner Figur, die er selbst nie war.

Die Erinnerungslücken füllt der Film mit spannend assoziativen Bildern. Überhaupt begeistert neben dem brillanten Schauspiel von McKellen und auch des jungen Milo Parker, neben der wunderbaren Kamera-Arbeit von Tobias A. Schliessler die Verknüpfung unterschiedlicher Erzählebenen. In Anfällen von Ohnmacht, in spontan aufblitzenden Erinnerungen wirkt diese ungemein kunstvolle Montage (Schnitt: Virginia Katz) selbstverständlich harmonisch. Das ist klassischer Hollywood-Stil in edelster Form mit einer spannenden und einerberührenden Geschichte über die Einsamkeit eines Menschen, der einst der berühmte Detektiv Sherlock Holmes war. So ist „Mr. Holmes" immer auch großes Gefühlskino, vor allem in der Freundschaft zwischen altem Mann und Jungen, in der von Laura Linney verkörperten Mutterliebe. Ein bewegendes, exzellentes Werk über Demenz, über Trauer und Abschied.

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