8.12.15

Mistress America

USA 2015 Regie: Noah Baumbach mit Greta Gerwig, Lola Kirke 85 Min. FSK: ab 6

Noah Baumbach ist so etwas wie der neue Woody Allen - mit etwas weniger Slapstick, aber großem Gefühl für die Lebenswelten der intellektuellen Stadt-Amerikaner seiner Generation. Er schrieb Bücher für Wes Anderson („Der fantastische Mr. Fox" 2009, „Die Tiefseetaucher" 2004), aber auch zu „Madagascar 3: Flucht durch Europa". „Greenberg" war 2010 die erste Zusammenarbeit mit Baumbachs späteren kreativen und Lebens-Partnerin, der auf die Erde geplumpsten Göttin Greta Gerwig. Ihre sagenhafte „Frances Ha" stellte dann 2012 den Durchbruch für Regisseur und Schauspielerin dar. Nach dem etwas älter angelegten „Gefühlt Mitte Zwanzig" schrieben Baumbach/Gerwig nun mit „Mistress America" eine jüngere Version von „Frances Ha" über das komplizierte Gefühlsleben einer Literaturstudentin in New York.

Greta Gerwig spielt diesmal die selbstüberschätzte Twitter-Prominente Brooke. Eigentlich zu alt für das Studium, wirkt sie auf ihre zukünftige Stiefschwester Tracy Fishko (Lola Kirke) wie ein Star der New Yorker Studenten-Szene. Die schüchterne, einsame College-Anfängerin wird dann auch sofort vereinnahmt und zur Assistentin der Möchtegern-Restaurantbesitzerin, die nicht kochen kann. Als der stetige Rede- und Handlungs-Fluss der umtriebigen Brooke mit der Absage ihres Freundes abbricht, macht sich ein unharmonisches Quartett auf die Reise zu Brookes reichem mittlerweile verheiratetem Ex-Ex-Freund, um einen Kredit zu erbetteln. So wie es ein Hellseher geraten hat!

Wieder ist eine ungewöhnliche, ungleiche Frauen-Freundschaft der rote Faden einer verrückten Geschichte, die mit Lubitsch-artigen Screwball-Szenen auftrumpft, mit spielerisch leichtem und prickelndem Ensemble-Feuerwerk. In einem Käfig voller selbstverliebter Narren ist Tracy die mitschreibende Beobachterin, eine sensible Verwandte von „Francis Ha". Ihr intensives Verhältnis zu Brooke zerbricht so schnell, wie es entstand. So erfreulich frisch und individuell alle Figuren wirken, es entsteht doch ein genaues Zeitbild: Die Lebenswelten der 18- bis 30 Jährigen sind unendlich reich an Möglichkeiten und Ablenkungen, aber trotzdem fehlt etwas - eine echte Freundschaft beispielsweise. So mischen Baumbach und Gerwig ihrer Komödie der jungen New Yorker von heute eine Menge Melancholie bei, ein Markenzeichen aller Baumbach-Filme. Das Markenzeichen von Greta Gerwig, nämlich mit dieser wunderbar unverstellten Tapsigkeit nicht perfekt zu sein, macht auch diesen Film wieder unbedingt sehenswert.

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