12.12.15

Madame Bovary (2014)

USA, BRD, Belgien 2014 Regie: Sophie Barthes mit Mia Wasikowska, Henry Lloyd-Hughes, Ezra Miller, Paul Giamatti, Rhys Ifans 119 Min. FSK: ab 6

Etwas muss der Gesellschafts-Roman „Madame Bovary" von Gustave Flaubert von 1856 ja haben, dass er alle Jahre mal wieder verfilmt wird. Nach der anämischen Isabelle Huppert in Claude Chabrols Variante von 1991 stürzt sich die zu allem fähige Mia Wasikowska (klasse im Horror „Crimson", in Cronenbergs „Maps to the Stars" oder in Jarmuschs „Only Lovers Left Alive") in die Zwänge eines Ehefrauen-Lebens des 19. Jahrhunderts. Die fröhliche Emma wird aus dem Kloster an den Landarzt Bovary (Henry Lloyd-Hughes) verheiratet und ist umgehend frustriert. An ihrem langweiligen und ambitionslosen Mann, an der gesellschaftlichen Öde des Dorfes, der Beschränktheit der Menschen. Ablenkung bringen Luxus und Affären, doch der Niedergang an Schulden und schlechtem Ruf folgt zwangsläufig.

„Madame Bovary" ist kein Drama der Freiheitsberaubung. Dazu ist Emma Bovary zu offen für die neue Lebenssituation, in die sie geworfen wird. Die Bovary war außerdem nie die einfache Identifikations-Figur, sie lässt sich zu schnell verführen, von den Männern, vom Konsum an Kleidern und Ausstattung. Egozentrisch, unsensibel und nicht besonders weise. Aber auch ihre Verzweiflung am Dorfleben ist nachvollziehbar und ergibt die Ambivalenz, die Flauberts Roman in immer neuen Verfilmungen lebendig hält. Vor allem die Schauspielkunst von Mia Wasikowska bringt diese Figur in vielen Facetten nahe.

Mit großen Auslassungen - etwa die Geburt der Tochter - und ein paar starken Szenen vertraut Regisseurin und Ko-Autorin Sophie Barthes weitgehend dem Stoff und ihren Darstellern. Vor allem Rhys Ifans als verführerischer Ausstattungs-Dealer Lheureux fällt noch auf. Die Ausstattung hingegen versucht nicht, Eindruck zu schinden. Sie will „echt" wirken, was auch größtenteils gelingt. Das ist in der Kombination Wasikowska / Flaubert immer noch wirkungsvoll, aber etwas Neues bringt es nicht.

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