27.12.15

Die Vorsehung

USA 2015 (Solace) Regie: Afonso Poyart mit Anthony Hopkins, Jeffrey Dean Morgan, Colin Farrell 101 Min.

Besser als „Das Schweigen der Lämmer", zumindest von der Geschichte her, ist dieser vorausschauende Anthony Hopkins-Thriller um das Duell zweier Hellseher. Ein sehr raffinierter Plot und eine schwieriges moralisches Dilemma geben der fesselnden Geschichte Substanz.

Ein Serienkiller ist zu clever für das FBI. Wenn fragt man dann? Klar: Anthony Hopkins. Diesmal spielt er allerdings nicht den Psychopathen Hannibal Lector, sondern auf der vermeintlich guten Seite den ehemaligen Profiler John Clancy. Der seit dem Krebs-Tod seiner Tochter total zurückgezogen lebt. Deshalb muss der jüngere Ex-Kollege und Freund Jeffrey Joe Merriweather (Dean Morgan) einige Überzeugungsarbeit leisten, aber es ist vor allem die neue FBI-Agentin Katherine Cowles (Abbie Cornish), die Clancy zurückholt. Wir wissen dank ein paar Schock-Sekunden, dass der hellsichtige Clancy bereits das Ende von Katherine erlebt hat. Aber auch, nach einer Vorfolgungsjagd mit „vorausschauender" Fahrweise, dass nicht alles so eintreffen muss, wie Clancy es vorhersieht...

Klarer Fall ... wenn nicht der wahnsinnige Killer, der mit dem FBI und Clancy spielt, immer ein paar Schritte voraus wäre. Er (Colin Farrell) ist tatsächlich auch ein Hellseher und ermordet nur Todkranke, um ihnen das Leid der Krankheit zu ersparen. Eine Situation, die Clancy nur zu gut versteht, war doch der quälende Tod der Tochter kaum erträglich.

Lange wirkt es, als hätte sich Hopkins als einsamer Star unter Namenlose verirrt. Doch die Geschichte der „Vorsehung" ist unfassbar gut und raffiniert. Der Thriller schockt zeitweise im Stil von „Seven", aber auch damit, dass Dr. Clancy sieht, wie Menschen, die ihn berühren, sterben werden. Hopkins selbst läuft zu Höchstform auf, wenn Clancy die Persönlichkeit der ungläubigen Agentin in ein paar Sätzen brutal entblößt. Das (Wort-) Duell beider Mentalisten mit einem ratlosen Opfer zwischen sich, ist Screwball auf des Messers Schneide. Kamera und Montage wirken zeitweise ziellos, haben dann aber auch große, wilde Momente, die sich und Clancy in die Tat-Situation versetzen. Das ist mit grandiosem Buch und genialer Story besser als „Das Schweigen der Lämmer", aber leider nicht so gut inszeniert.

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