20.12.15

Die Melodie des Meeres

Irland, Dänemark, Belgien, Luxemburg, Frankreich 2014 (Song of the sea) Regie: Tomm Moore 93 Min. FSK ab 0

Ein wunderbares Geschenk: „Die Melodie des Meeres" - dieser ungewöhnliche und absolut herausragende Zeichentrick wurde zu Recht von der Fachzeitschrift Variety als „einer der schönsten Animationsfilme aller Zeiten" bezeichnet und erhielt den Europäischen Filmpreis 2015 als Bester Animationsfilm. Eine magische Geschichte, die mit keltischen Motiven auch in der Zeichnung überzeugend gegen den glatten 3D-Trend auftritt.

Eine gewaltige Klippe ragt ins stürmische Meer der irischen Küste. Oben trotzt der Leuchtturm den Elementen, mächtig und stark wie sein Wärter. Doch der Tod seiner Frau hat ihn innerlich gefällt, auch wenn sich der Witwer das nicht vor seinen beiden Kindern anmerken lassen will. Streng ist er und verschlossen, wie auch der zehnjährige Ben. Der Kleine erlebte wie seine Mutter bei der Geburt der Schwester Saoirse starb. Das macht ihn nicht zum Freund des Mädchens, das nicht spricht und auch sonst recht seltsam ist. Immer wieder läuft sie ins Meer, neugierig von Seehunden beäugt. Bis es zu viel wird und die Kinder zur Oma in die Stadt müssen. Da Saoirse hier auf unheimliche Weise dahinschwindet, macht Ben sich mit ihr auf den Rückweg. Die verzauberte Odyssee führt sie zu keltischen Barden und wird begleitet von Angst einflössenden Eulen. Nur der plötzliche erklingende Gesang von Saoirse kann sie retten, aber sie wird immer schwächer...

Die fantastische Geschichte nach dem Drehbuch von William Collins wird auch noch von einer sehr menschlichen Hexe und der irischen Variante der kleinen Meerjungfrau erzählen. Reich ist die zauberhafte und kunstvolle „Melodie des Meeres" aber auch in ihren mal ornamentalen, mal ziselierten Zeichnungen: Die gewaltige Klippe vor dem Leuchtturm könnte ein Kreisbogen sein. Oder vielleicht der Kopf eines Riesen, der aus Meer ragt? Tomm Moores Animation ist wie schon bei seinem Debüt „Das Geheimnis von Kells" einerseits betont flächig, dabei aber ungemein detailreich. Wie in den Elementen der Handlung ist der keltische Einfluss nicht zu übersehen. Und mehr als nur Dekoration, wie es in einem Disney-Film wäre. Selbstverständlich zeigt - bei einem Film aus dem Land der Barden - die Filmmusik von Bruno Coulais & Kila besondere Qualitäten und die Lieder gehen wie die Geschichte und Bilder direkt zu Herzen. Dazu hat der Titelsong im irischen Original Hitqualitäten. Der Film hat noch viel mehr, ein ganz breiter Erfolg ist ihm und seinen sicher beglückten Zuschauern deshalb zu wünschen.

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