12.12.15

Die Kinder des Fechters

Finnland, Estland, BRD 2015 (Miekkailija) Regie: Klaus Härö mit Märt Avandi, Ursula Ratasepp, Lembit Ulfsak, Liisa Koppel 94 Min. FSK: ab 0

Es ist das Jahr 1953, die Erschütterungen des Weltkriegs sind weiterhin spürbar, Stalin ist noch nicht tot: Der junge Fechter Endel (Märt Avandi) meldet sich als Sportlehrer in einem kleinen, sowjetisch besetzten Küstenstädtchen in Estland. Das sei hier nicht Leningrad betont der Direktor, was denn so ein Studierter hier wolle. Verstecken will Endel sich, sagt er nicht. Aber die deutsche Wehrmacht hatte ihn unter Zwang eingezogen und in der Sowjetunion reichten harmlosere Dinge, um für immer in sibirischen Straflagern zu verschwinden.

Nun versucht Endel an einer heruntergekommenen Schule die Reste einer umfassenderen musischen und sportlichen Schulausbildung aufleben zu lassen. Die mühsam hergerichteten Ski werden allerdings vom Militär geklaut. Obwohl es als „bourgeoiser Zeitvertreib" nicht gern gesehen wird, erfreut sich dann der Fechtunterricht großer Begeisterung. Zuerst mit Weidenruten und dann dank Endels alter Freunde in Leningrad mit richtigen Masken und Floretts. Die Kinder, die meist keine Väter mehr haben, gewinnen Selbstvertrauen und Vertrauen in Endel. Bis seine Klasse zu einem Wettkampf nach Leningrad will, wo Stalins Geheimpolizei nach ihm sucht. Und auch der kleine, opportunistische Sekretär, der dem Diktator nachahmt, schnüffelt in alten Akten...

Fechten ist hier nicht nur Hoffnung, es ist auch Ästhetik und Metapher: Ein gutes Gefühl für den richtigen Abstand sei überlebenswichtig, meint Endel. Größeren Abstand von den Geheimdiensten wäre ratsam, doch gemäß des Clubs der toten Fechter stellt er sich im (Sport-) Finale gegen die Häscher.

Das alles ist samt Liebesgeschichte wenig überraschend, aber mit starkem Hauptdarsteller und guter historischer Inszenierung vermitteln „Die Kinder des Fechters" den Staat der Angst unter Stalin. Die Synchronisation übersetzt sinnvollerweise die fremde Sprache der sowjetischen Besatzer nur in Untertiteln. Erfrischend ist dann auch der Blick mal in eine andere Ecke der Welt und hoffnungsvoll, dass auch der fürchterlichste Goliath und Diktator irgendwann am Ende ist, spätestens am Lebensende.

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