8.12.15

Der Perlmuttknopf

Frankreich, Chile, Spanien 2015 (El botón de nácar) Regie: Patricio Guzmán 82 Min.

Der „Silberne Bär" der letzten Berlinale ist schon in der Einordnung ein kaum zu beschreibendes großartiges Meisterwerk: Der angesehene chilenische Regisseur Patricio Guzmán erzählt eine Geschichte, die vom Meeresgrund Patagoniens bis in die Weiten des Universums reicht. Und von den Ureinwohnern der zerklüfteten Insellandschaft, mythisch wirkenden Wasser-Nomaden, bis zu den brutalen Menschenrechts-Verletzungen der Pinochet-Diktatur. Es ist in poetischen Bildern und Texten ein wunderbares Wassergedicht. Eine ethnologische Reise in die Vergangenheit mit alten Fotos und Erinnerungen der wenigen Überlebenden dieses Volkes. Und ein Essay über Zeit, Wissenschaft und das Wesen der Menschen. Das führen Radioteleskope zur Erkenntnis, dass „Fortschritt die Sehnsucht nach etwas ist, was sie schon mal wusste".

In das unbeschreiblich schöne Kaleidoskop der Aufnahmen eines Naturvolkes und seiner Umgebung mit tausenden Inseln, dort wo die Anden ans Meer stoßen, schleichen sich zuerst die Grauen der Ausrottung der Urbevölkerung ein. Damit Siedler aus dem Norden Viehzucht treiben konnten, wurden Jägern Kopfprämien gezahlt. War gerade noch das Knirschen der Gletscher ein markerschütterndes Ereignis, so finden sich im Wasser plötzlich Spuren der von Pinochet Ermordeten, die lebendig aus Flugzeugen geworfen wurden.

„Der Perlmuttknopf" ist der zweite Teil einer Dokumentarfilm-Trilogie über die Geschichte Chiles. Die Meisterschaft von Patricio Guzmán, der im Berlinale-Wettbewerb auch noch den „Preis der ökumenischen Jury" erhielt, zeigt sich in der perfekten Einheit seines Films, der unvergleichlich vielschichtig und gleichzeitig so perfekt geschlossen ist.

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