7.12.15

Der kleine Prinz (2015)

Frankreich 2015 Regie: Mark Osborne 107 Min. FSK: ab 0

Mark Osborne, der Regisseur von „Kung Fu Panda" zauberte eine sehr überraschende und gelungene Adaption von Antoine de Saint-Exupérys Geschichte „Der kleine Prinz" auf die Leinwand: Nach einem kurzen Zeichenprolog lernen wir ein Mädchen mit durchgeplanter Kindheit kennen, die nur aus Lernen und Optimierung für ein erfolgreiches Arbeitsleben besteht. Aber der sonderbare Nachbar in dem bruchfälligen Schlösschen bringt nicht nur mit einer Explosion samt umherfliegendem Propeller das quadratisch-praktische Wohnviertel sowie diesen Plan durcheinander. Von hier flattert dem Kind per Papierflieger eine Seite von „Der kleine Prinz" herüber. Obwohl im Lehrplan für einen Freund erst im kommenden Sommer, einmal pro Woche 30 Minuten Zeit wäre, lässt es sich in eine fantastische Welt entführen, findet ausgerechnet in einem Haufen von Geldmünzen Spielfiguren.

So wie der Kleine Prinz das Mädchen rettet, befreit das Kind die Märchenfigur in einem dramatisch düsteren Finale aus einer Welt der grauen Herren, in der im Dienste der Energie-Konzerne aus Sternen Büroklammern gepresst werden. Dabei ist nicht nur gelungen, wie die kleinen Parabeln von den verschiedenen Planeten von Antoine de Saint-Exupéry in gegenwärtige Lebenswelten von überforderten Kindern geholt werden. Auch die Verzahnung einzelner Elemente wie dem Flugdrachen im Garten des alten Mannes und den Vögeln, die den Prinzen von Planet zu Planet tragen, zeigen eine Sorgfalt, die bei solchen Kinderfilm-Produktionen nicht immer selbstverständlich ist.

Mark Osborne arbeitet mit zwei ganz unterschiedlichen Animations-Stilen: Die etwas gewöhnliche Computer-Animation für die graue Gegenwart des Mädchens und Stop-Motion mit der Haptik von Papier bei den fantastischen Fabeln vom kleinen Prinz, die den Buchzeichnungen nachgeahmt wurden. Allmählich nähern sich die Geschichten im Stil einander an, jedenfalls sieht das Mädchen ihre Welt nun mit anderen Augen. Das ist nicht nur für kleine Kinder traumhaft, rührend und als Interpretation im Geist des Originals sehr gelungen.

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