8.12.15

Dämonen und Wunder - Dheepan

Frankreich 2015 (Dheepan) Regie: Jacques Audiard mit Jesuthasan Antonythasan, Kalieaswari Srinivasan, Claudine Vinasithamby 115 Min. FSK: ab 16

Die Goldene Palme von Cannes 2015. Ein Film von Regisseur Jacques Audiard, der mit den sagenhaften Filmen „Ein Prophet" und „Geschmack von Rost und Knochen" begeisterte. Eine packende, aktuelle Flüchtlingsgeschichte. Es gibt viele Gründe, „Dämonen und Wunder - Dheepan" zu sehen. Dazu noch - im Hintergrund - die unglaubliche Geschichte des Hauptdarstellers Jesuthasan Antonythasan, der selbst tamilischer Widerstandkämpfer und Kindersoldat war, nach Frankreich floh und dort Schriftsteller wurde.

Mit Ausweisen einer verstorbenen Familie steigen ein Mann, eine Frau und eine gerade im tamilischen Flüchtlingslager gefundene neunjährige Waise nachts in Boote. Sie versuchen, dem Bürgerkrieg in Sri Lanka zu entkommen. Direkt danach sieht man ihn, Dheepan (Jesuthasan Antonythasan), aus traumhaften Lichtspielen auftauchend, als Straßen-Verkäufer von Nippes in Paris. Der Übersetzer beim Flüchtlingsamt hilft ihm, das Richtige zu sagen, und so wird Dheepan ohne Französisch zu können, Hausmeister in einer von Kriminellen kontrollierten Sozial-Siedlung.

Jacques Audiards packender Film „Dämonen und Wunder - Dheepan" schafft es, fühlbar zu machen, wie fremd dem Immigranten diese Welt ist. „Wie im Kino" stehen Dheepan und seine Schein-Frau Yalini (Kalieaswari Srinivasan) nachts am Fenster, sehen den Partys und Deals der Drogenhändler zu. Ja, diese heruntergekommene Vorstadt-Siedlung ist ein seltsamer Ort, aber auch hier herrscht Krieg wie in Sri Lanka, diesmal der Kampf der Dealer um das Territorium.

Durch einen Pflege-Job beim kranken Vater des Gangster-Bosses kommt Yalini auf die andere, verführerische Seite der Siedlung und nach einem Überfall durch Konkurrenten wird aus dem intensiven, bewegenden Sozialdrama ein knallharter Thriller.

Nicht nur die ergreifende Geschichte von Dheepan und seiner neuen Familie in der gewagten, aber gelungenen Kombination von Sozialdrama und Thriller, macht „Dämonen und Wunder" so gut. Es sind die immer wieder atemberaubenden Bilder und Szenen von Regisseur Jacques Audiard und seinem Kameramann Époine Momenceau, durchmischt von indischen Klänge und verfremdenden Geräuschen, die etwas Herausragendes gestalten. Dabei überwiegen im Vergleich zu Audiards früheren Filmen die Dämonen, wenn die Seilschaften des Bürgerkrieges auch hier versuchen, Dheepan wieder einzuspannen.

Doch ein kleines Wunder ist zumindest das intensive Schauspiel von Jesuthasan Antonythasan, der mit 16 Jahren den Liberation Tigers of Tamil Eelam (kurz LTTE) beitrat. 1993 migrierte er nach Frankreich, schlug sich mit Gelegenheitsjobs unter anderem als Hausmeister durch, bevor er unter dem Namen Shobasakthi einige seiner Kurzgeschichten, Theaterstücke, politische Essays und Literaturkritiken veröffentlichte.

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