30.11.15

Wie auf Erden

Schweden 2015 (Sa ock pa jorden) Regie: Kay Pollak mit Frida Hallgren, Jakob Oftebro, Niklas Falk 130 Min.

Ein himmlischer Erfolgsfilm voller Emotionen platscht plump auf die Erde: Das emotionale schwedische Sangesfestival „Wie im Himmel" war 2004 eine schöne Sensation, wird aber mit dem einfallslos kalkulierten Nachfolger auf enttäuschende Weise geerdet.

Das künstlich herbei konstruiertes Chaos um die verschneite Haus-Geburt von Lenas Kind zeigt, dass eigentlich alles beim alten ist: Die ehemalige Kassiererin Lena (Frida Hallgren) ist begeisterte Sängerin und ansonsten ein wirrer Dickkopf. So wie sie ihrer im ersten Teil ziemlich plötzlich verstorbenen Kantoren-Liebe hinterher trauert, vermisst der besoffene Priester Stig (Niklas Falk) Lenas Kirchenchor im leeren Gotteshaus. Dabei steht nach einer Renovierung die feierliche Wiedereinweihung bevor. Zu der ein besonderes Ekel, das einst Lena ausnutzte, Händels Messias vor den TV-Kameras aufführen soll. Doch die aufmüpfige Frau lässt sich schnell zu Kantorin benennen und will das schwierige Stück mit den Dorfbewohnern selbst einstudieren ... ohne Noten lesen zu können!

Zudem ist die immer noch um ihren Kantor Daniel trauernde Lena auch noch von lauter Neidern, missmutigen Menschen und übergriffigen verzweifelten Männern umgeben. Doch die manisch optimistische Frau macht aus den Proben eine offene Therapie-Sitzung, akzeptiert eine witzige Instrumentierung und schmeißt die Bänke aus der immer voller werdenden Kirche raus. Genau diese lebensbejahende Frische Lenas ist das einzig Positive was aus dem Erfolgsfilm „Wie im Himmel" gerettet wurde.

„Er soll nicht in einem Dorf aufwachen, wo man nichts auf sich halten darf." So begründet Lena ihren Kampf für eine freundlichere Umgebung, bei dem - trotz großer Vorbehalte gegenüber der Kirche - die Musik vom Kirchenchor den menschlichen Kitt hergeben muss. Lena wird in diesem Frauenfilm geschlagen, beleidigt und vor allem unterschätzt. Doch letztlich besiegt sie sogar ihre eigene Unsicherheit, die sich selbstverständlich hinter dem wilden Gehabe versteckt.

Das unkonventionell arrangierte „Halleluja" ist noch nett kunterbunt. So hätte der Film auch sein wollen, aber er ist nur durcheinander. Nicht so sehr, dass auch diesmal jemand plötzlich sterben muss, ist das Schlimmste an diesem bipolaren Stück mit aufgesetzten Schwierigkeiten bei künstlichem Regen. Die Bilder wirken wahllos oder sind sogar kontraproduktiv, wenn etwa Lena nach dem Happy End in einem bedrohlich schwarzen See schwimmt - im letzten Bild! Dramaturgisch stolpert der Film entlang ihrer verrückten Ideen und ist einiges zu lang. Viel Musik gibt es erst spät, dafür bringt der unausweichliche „Prince Charming" (der norwegische Schauspieler Jakob Oftebro) einen Schneewittchen-Stiefel vorbei.

Kay Pollak hatte vor dem handwerklich nicht herausragenden Überraschungs-Erfolg „Wie im Himmel" 18 Jahre lang keinen Film gemacht. Nun gab es nur eine Pause von zehn Jahren - eindeutig zu wenig!

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