10.11.15

Virgin Mountain

Island, Dänemark 2014 (Fúsi) Regie: Dagur Kári mit Gunnar Jónsson, Ilmur Kristjánsdóttir, Sigurjón Kjartansson 95 Min. FSK: ab 12

Man sollte ihm einen Nobelpreis für das Anderssein verleihen! Der isländische Regisseur Dagur Kári begeisterte schon mit seinem Debüt „Nói Albinói" (2002), dann mit der Geschichte eines jungen, unkonventionellen Legasthenikers in „Dark Horse" (2005) und etwas weniger mit seiner englisch-sprachigen Kneipen-Romantik „Ein gutes Herz" (2009). Jetzt ist er mit „Virgin Mountain" wieder in vertrauten nordischen Sphären. Die Geschichte vom gutmütigen aber extrem zurückgezogenen Mittvierziger Fúsi könnte ein Trauerspiel sein. Der sehr massige Kerl lebt noch bei seiner Mutter und wird von den Kollegen an der Gepäckabfertigung eines Flughafens gemobbt. Doch mit herrlich trockenem und leisem Humor darf Fúsi sich aus seinem Schneckenhaus trauen. Zuerst bekommt der Metall-Fan einen völlig unpassenden Line Dance-Kursus geschenkt, trifft dabei aber auf die kleine, attraktive Sjöfn. Es ist keineswegs einfach mit der manisch-depressiven Frau, doch irgendwann zersägt Fúsi sogar seine Wüstenlandschaft auf Spannplatte, mit der er dauernd Rommels Niederlage von El Alamein nachspielt.

Es ist groß, wie Gunnar Jónsson den zu sensiblen Riesen Fúsi spielt. Sympathisch sein die kleinen Spleens wie die Fern-Freundschaft mit dem Radio-DJ, der ihm jeden Abend einen Musikwunsch erfüllt. Die Geschichte von Regisseur und Autor Dagur Kári bewegt sich perfekt zwischen den Abgründen von Weinerlichkeit und grobem Humor. Sie überrascht immer wieder, jedoch ebenso feinfühlig, wie sich Fúsi emanzipiert. Ob er das Ägypten seiner Sandkasten-Spiele tatsächlich sehen wird, ist bei diesem schönen Psychogramm eigentlich unwichtig. Die ganze Entwicklung ist ein großes Vergnügen.

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