15.11.15

Ich und Earl und das Mädchen

USA 2015 (Me, Earl and the dying girl) Regie: Alfonso Gomez-Rejon mit Thomas Mann, RJ Cyler, Olivia Cooke, Hugh Jackman 106 Min. FSK: ab 6

„Meine Mutter hat gesagt, ich soll mal vorbeikommen, weil du ja bald sterben musst..." So ein Satz zu der bis dahin eher entfernten Mitschülerin Rachel (Olivia Cooke) wird wohl nicht der Anfang einer besonderen Freundschaft sein. Doch bei „Ich und Earl und das Mädchen" ist alles anders. Nicht nur weil der schüchterne, aber filmverrückte Teenager Greg (Thomas Mann) mit seinem Freund Earl (RJ Cyler) in umwerfend komischen, kurzen Parodien die Filmgeschichte umkrempelt. Oder der Regisseur Alfonso Gomez-Rejon, davon angesteckt, mit immer wieder neuen Gestaltungsideen die Geschichte sehr lebendig hält. Es ist vor allem die völlig offene Art, wie Greg und Rachel miteinander und mit der Krebserkrankung umgehen. Das ist im Gegensatz zu den bescheuerten Geschichten, die sich Greg ausdenkt, berührend und erfrischend ehrlich.

Wobei das Gelingen des in vieler Hinsicht sehenswerten Meisterwerkchens in der perfekten Balance zwischen unverkitschter Rührung und ausgeflipptem Humor liegt. Die Filmchen von Greg und Earl sind schon im Titel sensationell: „Death in Tennis" (statt „Death in Venice" nach dem anderen Thomas Mann!), „Apocalypse Wow!" oder „Sockwork Orange", komplett von Socken gespielt. Dazu gibt es Farben wie im „Grand Budapest Hotel" von Wes Anderson, immer wieder überraschende Schwenks und Greg redet gekonnt im eigentlich unnachahmlichen Werner Herzog-Englisch. Ja, hier erzählt ein Filmfan die Geschichte eines Filmfans, doch es bleibt eng verwoben mit der anderen Geschichte um Rachel unaufdringlich. Ein schöner, passender Mehrwert, wenn selbstverständlich auch in Text und Musik Truffauts unvergessener Jugendfilm „Sie küssten und sie schlugen ihn" zitiert wird. Das ganz eigenständige, poetische Finale ist dann noch mal Perle und Erkenntnis-Schatz, den man gut in das DVD-Regal der wirklich wichtigen Lebensweisheiten stellen kann.

Bei all dem Guten ist man sich ganz sicher: Dies ist ein Film von einem ganz großen, dies kann nur von Charlie Kaufmann oder Spike Jonze sein. Doch der Name zum Merken lautet Alfonso Gomez-Rejon. (Sowie Jesse Andrews, der Drehbuch und den Roman „Ich und Earl und das sterbende Mädchen" schrieb.) Gomez-Rejon drehte einige Folgen „Glee" und „American Horror Story", sowie den optisch sehr anspruchsvollen Teenie-Horror „Warte, bis es dunkel wird". Nun wartet man ungeduldig auf den Nachfolger dieses großartigen „Ich und Earl und das Mädchen".

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