10.11.15

Erinnerungen an Marnie

Japan 2014 (Omoide no mânî) Regie: Hiromasa Yonebayashi 104 Min. FSK: ab 0

Auch wenn die Anime-Legende Hayao Miyazaki („Mein Nachbar Totoro", „Chihiros Reise ins Zauberland", „Prinzessin Mononoke") sich zurückgezogen hat, das legendären Ghibli Animationsstudio verzaubert weiterhin mit Animationsfilmen, die unser Verständnis dieser Technik sprengen. „Erinnerungen an Marnie" erzählt vom stillen, asthma-kranken Waisenmädchen Anna, das von ihrer Pflegemutter Yoriko den Sommer über zu Verwandten aufs Land geschickt wird. Dort entdeckt Anna ein altes Schloss am Ufer, das nur bei Ebbe zu Fuß zu erreichen ist. Immer wieder zieht es das Mädchen dort hin und schließlich trifft sie ein mysteriöses blondes Mädchen. Marnie wirkt in feinen Kleidern wie aus einer anderen Zeit. Doch dann, als Anna von einem Schwächeanfall erwacht, ist das Haus völlig verlassen.

Dieser neue, wunderbare Film der Gibli-Studios erzählt seine Kindergeschichte sehr ruhig und erstaunlich erwachsen, wie in einem alten Roman. Wenn Anna und Marnie das bedrohliche, verlassene Silo erkunden, in dem früher angeblich Kinder eingesperrt wurden, hat der märchenhafte Film etwas von gutem britischen Horror. Doch findet er bald wieder zu seinem leichten melodramatischen Klang, der in der finalen Auflösung in voller Harmonie mündet. Anna findet mit Reisen in Vergangenheit und Fantasie einen Weg, das Trauma vom Tod ihrer Eltern zu verarbeiten. Regisseur Hiromasa Yonebayashi („Arrietty – Die wundersame Welt der Borger"), der bei Hayao Miyazaki in die Schule ging, erzählt eine traurige und sehr, sehr schöne Geschichte. Die Vorlage stammt von der englischen Kinder- und Jugendbuchautorin und Illustratorin Joan G. Robinson (1910 - 1988).

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