20.10.15

Unser letzter Sommer

Polen, BRD 2015 (Letnie Przesilenie) Regie: Michal Rogalski mit Jonas Nay, Filip Piotrowicz, André M. Hennicke 100 Min. FSK: ab 12

Die polnische-deutsche Kriegs-Geschichte „Unser letzter Sommer" ist der seltene Fall eines Antikriegs-Films: Im Sommer zeigt sich Ostpolen in einem normalen Ausnahmezustand. Es sei relativ ruhig, berichtet man dem neuen Kommandanten einer deutschen Gendarmerie-Abteilung, nur ein paar Partisanen. Zeit genug, neben den Gleisen, die von Warschau kommen, weggeworfene Kleidung und Koffer zu durchwühlen, mit Fotos der deportierten Familien. Denn hier auf dem Land wird „nur" eine jüdische Mitarbeiterin wird aus dem Dienstplan gestrichen, aber das Grauen, das deutsche Soldaten in Warschau anrichten, ist im Gesicht einer jungen Frau zu sehen, die aus einem der Züge zur „Rampe" des Vernichtungslagers Treblinka, fliehen konnte.

Naiv all dem gegenüber stehen sich zwei kaum erwachsene Jungs gegenüber: Romek (Filip Piotrowicz) fährt auf der Lokomotive einer der Züge mit. Sein Vater ist verschollen, der grobe Lokführer nistet sich derweil bei der Mutter ein und plündert eifrig mit. Guido (Jonas Nay) ist einer der Gendarmen, ein Junge, der das Schäferhund-Welpen noch auf dem Arm trägt. Der verbotene Swing brachte ihn in die Uniform, Musik bringt die Gegner kurz zusammen. Da ignoriert Guido schon die Angst der jungen Polen angesichts eines doppelten Eindringens. Romek und Guido töten das erste Mal in der Mitte des Films in einer Mischung aus Schuld und Zwang.

Vor allem in den beiden jungen Hauptfiguren zeigt der polnische Kurz- und Dokumentarfilmregisseur Regisseur Michal Rogalski erfreulich feine Nuancen der Beteiligung und des stillen Widerstands, das ist das Besondere an diesem sorgfältig aufgenommenen und gut gespielten Film. Die Gewalt der Besatzung macht bald aus naiven, verliebten Jungs skrupellose Täter. Verlieren werden beide, da ist die Handlung ebenso konsequent und brutal in einer Welt, die für Gefühle keinen Platz hat. „Unser letzter Sommer" verweist mit starker Bildsprache nicht nur in der Schlusseinstellung die Abtötung der Seelen, er ruft auch das Bild einer ganzen vom Krieg entmenschlichten Generation herauf.

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