19.10.15

Imagine Waking Up Tomorrow and All Music Has Disappeared

Schweiz, BRD 2015 Regie: Stefan Schwietert 86 Min. FSK: ab 0

Stefan Schwietert ist eine Art George Lucas des Musikfilms: Mit den Dokumentarfilmen „El Accordéon del Diablo", „A Tickle in the Heart" oder „Accordion Tribe" begeisterte er das Arthouse-Kino. Diesmal geht es nicht um ein besonderes Instrument, sondern eine Verweigerung des üblichen Musik-Betriebes. Ein Star war der schottischer Musiker Bill Drummond mit der Acid-House-Band „The KLF" sowie Hits wie „Justified & Ancient". Damals hatte er schon mal eine Millionen Pfund auf der Bühne verbrannt und die Asche zu einem Ziegelstein pressen lassen. 1992, auf dem Höhepunkt des Erfolgs, löste sich die Band auf und Drummond kaufte samt Musikrechte alles auf und versteckte es in einen Container.

Nun reist Bill Drummond im langen Ledermantel quer durch Großbritannien für das Projekt „The 17". Scheinbar willkürlich bittet er Menschen längs eines bestimmten Breitengrades, einen Ton oder eine kurze Melodie anzustimmen. Die Ergebnisse komponiert ein Freund mit „Garage Band" zusammen und es gibt eine einmalige, wohl meist einsame Aufführung. „Es geht nicht um Unterhaltung, man wird es nicht im Radio hören, es wird nicht im Internet sein, um es zu hören, muss man selbst dabei sein."

Drummond erweist sich als ernsthafter und sehr ungewöhnlicher Künstler mit radikaler Verweigerung jeglicher Verwertung. Er schmeißt das Ausstellungsplakat zu „The 17" in eine Pfütze irgendwo neben einer Straße und vernichtet das Musik-Werk nach einmaliger Aufführung. Im Rahmen seiner Aktions-Reihe „Score" bildet er eine Menschenkette im Herzen Berlins, die auf Rufweite miteinander verbunden ist. Zwar zeugen einige Plakate und Fotos der einmaligen Events davon, dass die Verweigerung der Aufzeichnung doch nicht ganz durchgezogen wird, aber das interessante Porträt mit einem netten Mitmach-Finale fürs Kino lädt zum Hören und Nachdenken ein.

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