5.10.15

Der Marsianer

USA 2015 (The Martian) Regie: Ridley Scott mit Matt Damon, Jessica Chastain, Kate Mara, Michael Peña, Jeff Daniels 141 Min.

Huston, wir haben ein Problem! Ein Zeitproblem. Nicht nur die enorme Distanz zum Mars macht dem gestrandeten Mars-Männchen Matt Damon als „The Martian" Probleme. Irgendwo auf der langen Strecke seit „Alien" (1979) und „Prometheus" (2012) ging Ridley Scott das Timing für Science Fiction verloren: Überlanger Aufenthalt ohne echten Mars-Geschmack sowie Spannung nur ganz am Schluss. Das wird die Massen nicht mobil machen.

Ausgerechnet eine Sat-Schüssel haut Mark Watney im heftigen Mars-Sturm von den Beinen, sodass er für tot erachtet und bei der Not-Evakuation zurückgelassen wird. Denn neben einem Nahrungsproblem plagt den nun einzigen Mars-Bewohner die mühsame Verständigung mit der NASA-Basis in Huston: Das Funksignal braucht circa eine halbe Stunde für einen Weg, die Astronauten müssen über ein Jahr reisen. Eine Rettungs-Mission würde also eine Weile auf sich warten lassen, wenn überhaupt jemand mitbekäme, dass Mark noch lebt. Also baut der Botaniker auf Mars-Sand und den Fäkalien der Astronauten erst einmal Kartoffeln für die nächsten vier Jahre an. Was erstaunlich einfach und undramatisch gelingt. Wie alles in diesem Film, der es nie schafft, die außerirdische Situation dieses galaktisch Gestrandeten zu vermitteln, der einen in den Weiten des Alls ziemlich kalt lässt.

Wie schwer muss es sein, mit einer Bauchwunde in den Raumanzug zu steigen, durch die Luftschleuse, raus in die Sonne zu gehen? Ist es Arbeit, zahllose Kisten mit Erde voll zu schaufeln, sie auf eine Karre zu hieven, in die Station zu transportieren? In diesem Film gelingt das in wenigen Schnitten und ohne Schweiß. Zwischendurch fährt Mark auf dem Mars spazieren, führt ein launiges Video-Tagebuch und schaut auf den Horizont, der auch mit 3D nicht wahnsinnig eindrucksvoll rüber kommt. Nein, der Mark vom Mars ist kein Knaller. Nicht packend und dramatisch wie Tom Hanks im Jahr 2000 als altmodischer Paketbote in „Cast Away - Verschollen" von Robert Zemeckis, selbst wenn dem humorvollen Mark nach über einem Jahr auch so ein Piratenbart wächst. Und auch nicht witzig wie Mork vom Ork, was zwischendurch immer mal probiert wird.

Das liegt nicht nur an Langeweiler Matt Damon, der aus dem Druckkammer-Spiel wenig rausholt. Es ist auch das Unvermögen von Buch, Inszenierung und Schnitt, die im wahrsten Sinne „atemberaubende" Situation und Isolation spürbar zu machen. Alle klappt locker flockig und schnell. Ob das zum demonstrativ verbreiteten neuen Pioniergeist dieser Film-NASA passt, mit dem plötzlich alles möglich ist? Auf jeden Fall verließen sich die Produzenten zu sehr auf die Schauwerte Mars und Matt, feilten zu wenig an einer anständigen Geschichte, einer interessanten Figur und an gutem Rhythmus.

Der Film stellt zwar die entscheidenden Fragen: Was macht das mit einem Menschen? Was denkt er? Die Antworten sind jedoch banal: Mark sucht die richtige Musik nach der Dusche, weil er seinen MP3-Player wohl auf der Erde vergessen hat. Was zu „Hot Stuff" von Donna Summer führt, wenn Mark den Mars Rover mit einem kleinen Plutoniumreaktor in der Fahrerkabine pimpt. Und wenigstens zum unerlässlichen, zum optimistischen „Star Man" von David Bowie. Zum Glück sorgt nach zwei Stunden Abhängen auf dem Mars die übliche Kavallerie - diesmal aus China - wenigstens im Finale für Spannung. Ein schlechtes Verhältnis von Produktions-Aufwand und Kino-Ergebnis, auch wenn man sich überlegt, wie viel Menschen man mit all diesem Raumfahrt-Geld auf der Erde hätte retten können...

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