11.10.15

Black Mass

USA 2015 Regie: Scott Cooper mit Johnny Depp, Joel Edgerton, Benedict Cumberbatch 123 Min. FSK: ab 16

Das darf doch nicht wahr sein ... wie hier eine „wahre Geschichte" über den angeblich legendären Gangster James „Whitey" Bulger unter Mitarbeit von Johnny Depp zum undramatischen Langeweiler verfilmt wurde. Ein echtes Verbrechen - am Publikum!

Es beginnt wie ein guter Gangster-Film, etwa wie „Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia" 1975 mit einem Geständnis. Doch nur von einer Nebenfigur, der viele andere Nebenfiguren auf dem Zeugenstuhl folgen. Alle erzählen die Geschichte von „Jimmy" (Johnny Depp), einem irischen Gangster mit Halbglatze, dem Liebling im Bostoner Armenviertel, der sein Stück vom Territorium der italienischen Mafia haben will. Da kommt ihm John Connolly (Joel Edgerton) gerade recht, ein Emporkömmling beim FBI, der sein Netzwerk alter Freunde von der Straße ausnutzen will. Das Team aus Bulle und Gangster wird ergänzt von Jimmys Bruder, dem Senator Billy Bulger (Benedict Cumberbatch).

Wie erwartet, wird fleißig neurotisch ausgerastet und gnadenlos gemordet. Dabei macht Jimmy auch nicht vor Freunden und Geliebten halt, was ihm eine Menge Verräter einbringt. Doch so uninteressant Johnny Depp mit Halbglatze wirkt, so wenig kann seine Figur packen.

Regisseur Scott Cooper („Auge um Auge", „Crazy Heart") erzählt langsam und holprig. Die Figuren, die Familie, die Beziehungen - alles aufgereiht wie beim großen Film, doch leblos wie eine unausgearbeitete Skizze. Da hilft dann auch die hochkarätige Besetzung nicht mehr. Benedict Cumberbatch hält sich fein raus, Kevin Bacon als FBI Chef blickt nur kurz rein. Klar, hier soll der Fokus auf einem Psychoten liegen, der nach dem Tod seines Sohnes und dem ungestörten Aufstieg in Boston noch wahnsinniger handelt. Aber weder Handlung noch Innensicht können überzeugen. Die Kamera verliert ihre Figuren oft im diffusen Hintergrund, die Musik dröhnt bedrohlich, ohne dass jemand dies Versprechen einlöst. Nicht erst beim undramatischen Finale, als James Bulger nach 16 Jahren auf der Flucht am 22. Juni 2011 im Alter von 81 Jahren verhaftet wurde, wundert man sich: Wie kann man so was bei so vielen guten Vorbildern so uninteressant machen?

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