20.10.15

A Perfect Day

Spanien 2015 Regie: Fernando León de Aranoa mit Benicio Del Toro, Tim Robbins, Olga Kurylenko 106 Min. FSK: ab 12

Nein, nicht der melancholische Grundton von Lou Reeds Song „Perfect Day" bestimmt diesen wunderbar ironischen Film über hilflose Helfer: Benicio Del Toro, gerade noch grandios als „Sicario"-Killer in Action, hat als Mitarbeiter einer internationalen Hilfsorganisation nicht nur den jugoslawischen Bürgerkrieg am Hals. Es taucht auch noch Mambrús sehr junge, attraktive Affäre in Form der Russin Katya (Olga Kurylenko) auf.

Doch erst einmal hat die Ausgangssituation etwas vom absurden Theater: 1995, „irgendwo auf dem Balkan", liegt eine ziemlich dicke Leiche in einem ziemlich tiefen Brunnen. Die muss innerhalb von vierundzwanzig Stunden raus, sonst wird die Wasserquelle unbrauchbar. Eine tolle Aufgabe für internationale Helfer von „Aid across borders" - wenn man ein anständiges Seil hätte. Die gut ausgestatteten UN-Soldaten haben jedoch gerade keine Zeit, um sich um so was zu kümmern. Dazu seien sie nur bei internationalen bewaffneten Konflikten verpflichtet. Der Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien ist zwar sehr bewaffnet und konfliktreich, aber (noch) nicht international: Das Massaker von Srebrenica findet gerade woanders statt und die Bombardierung von Belgrad folgt erst rasante vier Jahre später.

Der Amerikaner namens B - ein sehr schön verrückt mit Helfer-Syndrom und Rock'n'Roll auf humanitärer Mission spielender Tim Robbins - versucht auch, die verfahrene Situation mit Jeep und einem Seil aus dem Dreck zu ziehen. Doch der Dorfladen braucht alle seine Seile, „um Leute aufzuhängen".Dass sich schließlich ein Seil am Ende eines sehr bissigen Hundes findet, ist nicht der letzte bittere Scherz in einer Film, bei dem nicht nur die hysterisch idealistische Helferin Sophie (Mélanie Thierry) beim ersten Einsatz ihre Naivität verliert.

Nach den hervorragend beobachteten Sozialdramen „Amador und Marcelas Rosen" (2010) und „Princesas" (2005) kann Regisseur Fernando León de Aranoa nun mit internationalen Stars brillieren. Vor allem in den aberwitzigen Dialogen hat „A perfect day" etwas vom Wahnsinn der Kriegs-Satire „Mash" und erinnert im Setting an Winterbottoms „Welcome to Sarajevo".

Doch der Spaß verfliegt, je mehr wie erleben: Kleine Jungens spielen mit Fußball und Pistolen. Die Helfer müssen hilflos zusehen, wie gefangene Zivilisten wie in Srebrenica aufgereiht werden. Die dauernde Gefahr durch Minen oder Sprengfallen in einem völlig zerschossenen Dorf sorgt für Spannung. „Ethnische Säuberung" zeigt sich so konkret schrecklich, dass danach nur noch die Punkversion von „Sweet dreams" erklingen kann.

Mit exzellentem Schauspiel, klugem Drehbuch und etwas menschlichem Touch zeigt „A Perfect Day" bis zum kafkaesken Ende, in dem UN-Soldaten das mühsam aufgetriebene Seil zerschneiden, die Schwierigkeit ahnungslos international zu helfen, in vielen Schattierungen und Tönen. Eine perfekte Balance zwischen Satire und echter Anteilnahme.

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