21.9.15

The Visit

USA 2015 Regie: M. Night Shyamalan mit Kathryn Hahn, Olivia DeJonge, Ed Oxenbould, Deanna Dunagan, Peter McRobbie 94 Min. FSK: ab 12

Der neue Film von M. Night Shyamalan ist eine Überraschung! Was eigentlich ein Widerspruch in sich ist, denn die finale Überraschung ist seit dem sensationellen „The sixth Sense" im Jahr 1999 so etwas wie ein Markenzeichen des in Indien geborenen Regisseurs. Doch nach ein paar eher mageren Werken („After Earth", „Die Legende von Aang") überrascht Shyamalan tatsächlich mit einer Horrorfilm-Komödie - und selbstverständlich wieder mit einer Schlusspointe.

Die Teenager Rebecca und Tyler Jamison besuchen für eine Woche ihre Großeltern auf dem Land. Nichts Besonderes, auch dass die Mutter (Kathryn Hahn) ihre Eltern selbst für 15 Jahre nicht gesehen hat, nachdem sie als junge Frau im Streit weglief, soll in den besten Familien vorkommen.

Nun stehen da die freundlichen alten Leutchen am Bahnhof und holen die allein reisenden Kinder ab. Oma (Deanna Dunagan) kocht eifrig leckere Dinge und der erstaunlich fitte John (Peter McRobbie) häuft derweil seine gefüllten Inkontinenz-Windeln in einer Scheune auf. Ja, sie sind schon etwas seltsam und außerdem leidet Oma nach Sonnenuntergang unter „Sundowning", weshalb die Kinder nachts besser in ihrem Zimmer bleiben sollten. Dass zum Krankheitsbild das nackt herum Krabbeln und das Kratzen an der Tür der Kinder mit einem großen Messer gehört, erfahren die toleranten Teenager erst später ....

„The Visit" ist als Dokumentation von Rebecca (Olivia DeJonge) inszeniert, die durchaus mit Oscar-Ambitionen den Besuch festhalten, aber auch in möglichst bewegenden Interviews herausbekommen will, weshalb ihre Mutter damals eigentlich abgehauen ist. Also das „Found Footage"-Prinzip, das diesmal bestens funktioniert. Zudem wissen Rebecca und ihr kleiner, ziemlich schmutzig rappender Bruder Tyler (eine Entdeckung: Ed Oxenbould) alles darüber, wie so eine reißerische Dokumentation funktioniert. Es ist also ein netter, ironischer Spaß, beim Bemühen um abgedroschene Klischees zuzusehen.

Dabei weiß man zwischen den roten Horrorfilm-Titeln für den Countdown der Urlaubs-Tage nie, ob man lachen oder erschrecken soll. Das ist der eigentliche Clou von Shyamalan in „The Visit", der sich mit dem ersten Schreckmoment fast eine Stunde Zeit lassen kann. Zwischendurch läuft Oma nur mal wie ein Gespenst durch die Räume und speit rhythmisch auf den Boden. Aber Jugendliche von heute haben ja schon viele andere extrem seltsame Dinge gesehen!

„The Visit" ist wie immer auch ein Familien-Film, betont Shyamalan. Diesmal gehe es um Vergebung. Wobei bei Spaß und Schrecken zumindest rudimentär eine Entwicklung stattfindet: Rebecca lernt unter dramatischen Umständen einen Spiegel zu benutzen und Tyler muss seine Mysophobie, seine übersteigerte Ansteckungsphobie runterschlucken. Das alles in dem sehr spannenden Finale, das die Kamera nicht nur bei der Aufzeichnung, sondern auch als Waffe sieht.

Shyamalan produzierte und schnitt den Film unter kompletter persönlicher Kontrolle selbst. Mit einem Budget von ein paar Millionen Dollar, also für Hollywood quasi „Low Budget". Nach Toten in der Hauptrolle und Aliens im Maisfeld ist so ein Besuch bei den Großeltern keine große, aber eine äußerst unterhaltsame Sache. Zudem prägt diese wunderbar gemischte Gefühllage zwischen Spaß und Schrecken nachhaltig ein, dass man doch so seinen blöden Ärger gefälligst nicht allzu lange mit sich rumtragen sollte.

Keine Kommentare: