23.9.15

Life

Großbritannien, BRD, Kanada, Australien, USA 2015 Regie: Anton Corbijn mit Robert Pattinson, Dane DeHaan, Ben Kingsley mit 112 Min. FSK: ab 0

Der berühmte Fotograf und nicht ganz so berühmte Filmemacher Anton Corbijn realisierte einen Film über den berühmten Fotografen Dennis Stock und den Filmstar James Dean. Der Hintergrund ist historisch verbürgt: 1955 schickte das Life-Magazin Dennis Stock (Robert Pattinson) auf einen Trip quer durch die USA, um eine Fotostrecke mit dem jungen aufstrebenden James Dean (Dane DeHaan) zu realisieren. Heraus kam ein wunderbar fotografierter, raffiniert besetzter und schließlich rührender Film über den Ruhm und was uns wirklich erfüllt.

Nein, der Star Robert Pattinson spielt nicht den Star James Dean, das ist die erste Überraschung. Er ist der 1955 noch unbekannte Fotograf Dennis Stock, der „seinem Instinkt folgt, beim Blick durch den Sucher". Und im Fokus hat er den ebenfalls noch nicht berühmten James Dean. Der leidenschaftliche Theaterschauspieler hängt melancholisch in Los Angeles durch, will sein Talent ignorieren. „Jenseits von Eden" ist gerade abgedreht, jetzt hofft er auf die Rolle bei „Denn sie wissen nicht, was sie tun" und weiß tatsächlich nicht, was er tun will. Ganz im Gegensatz zu Stock, der an seiner Mappe und Karriere arbeitet - immer im ordentlichen Anzug. Und die Fotoserie mit Dean im Magazin Life wäre ein großer Schritt...

Der „spannende" Plot bei „Life" ist das schwierige Zustandekommen der ikonischen Dean-Fotos am verregneten Time Square, die auf Millionen Postern zu sehen sind. Während auf dem Weg dorthin einer um seinen Job kämpft und der andere zu arrogant ist, wechseln die Rollen, als beide zusammen zu Deans Familie ins ländliche Indiana. Der zukünftige Star wider Willen lebt auf, der Fotograf bleibt stocksteif und von der menschlichen Nähe durch die Kamera getrennt. Bis auf einen freien Moment: Stock tanzt, Dean trommelt, alle sind für diesen Moment glücklich, bevor die bekannte Geschichte weitergeht, Dean einige Monate später vor den Baum fährt, während Stock erfolgreich 81 Jahre alt wird.

„Life" ist wie immer bei Anton Corbijn („A Most Wanted Man", „The American", „Control") ein Augenschmaus, ein optisches Verwöhnprogramm von Anfang über den historisch nachgebauten Time Square und Hopper-Imitationen bis ins kleinste Detail. Dazu ein Ausflug in die Filmgeschichte, wo Nicolas Ray zur Party einlädt, der Mogul Jack Warner (witzig: Ben Kingsley) streng maßregelt und die Sängerin Eartha Kitt heiß mit James Dean tanzt. Doch der Niederländer Corbijn kann auch inszenieren und Schauspieler führen, denn man vergisst bei Robert Pattinson tatsächlich die Vampire und andere furchtbare Rollen. Letztlich ein gelungener Imagewechsel, den Star Dean nicht mit dem anderen Star zu besetzen. Richtig rund wird der ebenso schöne wie interessante Film „Life", als er in Indiana, dort wo bei der Familie keine Fotos gemacht werden sollen, nicht nur menschelt, sondern sogar rührt. Wenn dann im Abspann die echten Fotos von Stock zu sehen sind, die Inspiration des Films waren, sind sie nun wiederum mit all diesen neuen Bedeutungen und Emotionen aufgeladen. Ein raffiniertes und sehr reizvolles Spiel mit Klischees.

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