7.9.15

Kill The Messenger

USA 2014 Regie: Michael Cuesta mit Jeremy Renner, Rosemarie DeWitt, Ray Liotta, Tim Blake Nelson, Oliver Platt, Michael Sheen, Andy 112 Min. FSK: ab 12

Die Geschichten von Edward Snowden, Edward / Chelsea Manning und vielleicht auch vom Wikileaks-Gründer Julian Assange zeigen, was es heutzutage bedeutet, die Wahrheit zu sagen. Die eigentlichen, die großen nationalen Verbrechen geraten in Vergessenheit hinter einer Flut schmutziger persönlicher Vorwürfe. Der ungemein und ungewöhnlich spannende Polit-Thriller „Kill The Messenger" spielt dies anhand der wahren Geschichte eines kleinen Journalisten durch, der enthüllte, wie die CIA den Bürgerkrieg in Nicaragua über den Crack-Verkauf in den USA finanzierte.

Gary Webb (Jeremy Renner) ist ein cooler Journalist und Vater, der die Bürgerrechte verteidigt. Auch die von Drogendealern, solange die noch nicht verurteilt sind. Nun ist seine Zeitung, die San Jose Mercury News, nicht die erste Adresse und so entdeckt der aufmerksame Gerichtsbeobachter nur über eine Kette von Zufällen, dass die CIA in den 80er Jahren mit der Finanzierung eines gigantischen Drogenhandels die Contras in Nicaragua unterstützten. Und dabei in den USA vor allem die eigenen armen Krisengebiete mit der Bilig-Droge Crack überschwemmten.

Da klingt selbst heute noch unglaublich, aber Gary Webb kämpft für seinen Artikel, trotz unverhohlener Drohungen der CIA gegen seine Familie. Doch der übliche Triumph der Wahrheit kommt hier schon zur Mitte des Films, danach folgt der Webbs forcierter Niedergang, eine Tragödie des Journalismus. Die großen Blätter nehmen neidvoll die Story auseinander, mit freundlicher Unterstützung der Geheimdienste. Der eigene Chefredakteur macht einen Rückzieher, als Webbs Zeugen verschwinden oder ihre Aussagen zurücknehmen. Es folgen Versetzung und Trennung von der Familie, weil dem schon einmal untreuen Ehemann wieder ein Seitensprung unterstellt wird.

Dass ausgerechnet der Diebstahl des geliebten, selbst restaurierten Motorrads den inneren Zusammenbruch markiert, zeigt die Qualitäten des Films von Regisseur Michael Cuesta, der nicht nur behauptet und historische Fakten referiert, sondern einen medien-politischen Mechanismus nachempfinden lässt. So nimmt „Kill the Messenger" immer mehr gefangen, ganz ohne Verfolgungsjagden oder aufgesetzte Spannungsmomente. Dieser sehr menschliche Polit-Film ist packend inszeniert und im emotionalen Verlauf überraschend.

Das ist auch dem exzellenten Hauptdarsteller und Produzenten Jeremy Renner („Avengers: Age of Ultron", „Mission: Impossible - Rogue Nation", „American Hustle") zu verdanken. Im hochrangigen Cast gibt Andy Garcia kurz einen Drogenboss, der in einem Gefängnis in Nicaragua Hof hält. Doch trotz der großen Besetzung ist „Kill the Messenger" keine Heldengeschichte: Webb konnte, nachdem er eine nationale und internationale Geschichte geschrieben hat, nie mehr als Journalist arbeiten und brachte sich 2004 um. Die Regierungs-Untersuchung, die ihm Recht gab, fand keine Beachtung, weil sich die Öffentlichkeit gerade mehr an Flecken auf dem Kleid der Clinton-Praktikantin Lewinsky interessierte. Das hat viel von Hochhäuslers „Die Lügen der Sieger" und all den Frustrationen angesichts der Entdeckungen von BKA-Spionage, illegalen Waffenexporten oder Kriegsverbrechen, die meist nur für die mutigen Botschafter der Nachrichten Folgen haben.

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