2.9.15

Es ist schwer, ein Gott zu sein

Russland 2013 (Trudno byt bogom) Regie: Aleksey German mit Leonid Yarmolnik, Yuri Tsurilo 177 Min. FSK: ab 16

Als Monstrum, Monolith, Ereignis wird dieser sagenhafte, letzte Film des 2013 gestorbenen Regisseurs Aleksey German („Khroustaliov, mein Wagen!") zu Recht bezeichnet: „Es ist schwer, ein Gott zu sein" wirkt wie ein Mittelalter-Film, ist aber auch Science-Fiction. Wissenschaftler befinden sich auf einem anderen Planeten in einer Welt wie unsere. Nur 600 Jahre rückständiger und ohne dass die Renaissance stattgefunden hätte. Als Protagonist irrt einer von ihnen als Don Rumata, in 17. Generation von Herren, ein vermeintlicher, mundgeborener Gott durch Höhlen, Slums, Matsch und Elend. Ein Bosch-Gemälde in kleinen Bild-Ausschnitt gequetscht und von Fäulnisgasen noch weiter in den Wahnsinn getrieben.

„Es ist schwer, ein Gott zu sein" ist ein Film, der im Schlamm und Scheiße versinkt. Dauernd pilgern Menschen zu Aborten, greifen sich in den Schritt, um an den Fingern zu riechen in diesem Geruchskino. Dazwischen spielt Don Oboe, es gibt fein gezeichnet Stillleben, Monolog-Fetzen, immer wieder schauen die Gestalten in die Kamera.

Aleksey German paart das nebelige Schwarzweiß von Tarkowski in zügelloser Wollust mit den körperlichsten Phantasmen Fellinis. Das Gewaltige, Monströse und Archaische ist nicht auf eine Fabel oder Aussage reduzierbar, selbst mit dem Wissen um die gleichnamige Vorlage von Arkadi und Boris Strugazki, der 1964 die Verbrechen Stalins wiedergab. Man ist auch durch die langen Kamerasequenzen zu sehr drin in den düsteren, schlammigen Gewölben, zu nah an den fantastisch schaurigen Figuren, die immer wieder einfach ins Bild greifen oder in die Kamera schauen. Und das ist ein unvergleichlich, großartiges Erlebnis.

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