27.9.15

Der Staat gegen Fritz Bauer

BRD 2015 Regie: Lars Kraume mit Burghart Klaußner, Ronald Zehrfeld 105 Min. FSK: ab 12

Starker Demokrat - schwacher Film. So sieht „Der Staat gegen Fritz Bauer" aus, vor allem wenn man den viel emotionaleren „Im Labyrinth des Schweigens" mit Gert Voss als Bauer in einer Nebenrolle gesehen hat. Trotzdem gewann die etwas leblose Würdigung von Bauer in Locarno 2015 den Publikumspreis.

Fritz Bauer Fritz Bauer (1903 - 1968) war Generalstaatsanwalt in Frankfurt und eine der wichtigsten Figuren für die Entwicklung der Demokratie im Wirtschaftswunder-Deutschland. Der atheistisch lebende Sohn jüdischer Eltern emigrierte 1936 nach Dänemark, wurde dort bei der deutschen Besetzung interniert, bevor er nach Schweden fliehen konnte. 1949 kehrte Bauer nach Deutschland zurück. Erst im letzten Jahr sah man ihn - eindringlich verkörpert von der Bühnenlegende Gert Voss - als geschickt lenkende Nebenfigur „Im Labyrinth des Schweigens". Heftig bewegend erfuhr man, wie in den Fünfzigern die Verbrechen und Verbrecher von Auschwitz ignoriert wurden. Alexander Kluge widmete Fritz Bauer mit „Wer ein Wort des Trostes spricht, ist ein Verräter" einen seiner Erzählbände. Nun erhält Bauer mit „Der Staat gegen Fritz Bauer" zum Glück erneut Aufmerksamkeit.

Regisseur Lars Kraume („Die kommenden Tage") konzentriert sich in „Der Staat gegen Fritz Bauer" auf Bauers Verdienst um die Ergreifung Eichmanns, das erst nach seinem Tod bekannt wurde. Wie es der Filmtitel komprimiert, musste Bauer (Burghart Klaußner) gegen verschiedene, von Alt-Nazis durchsetzte Instanzen des Staates kämpfen, um überhaupt eine Strafverfolgung der Massenmörder einleiten zu können. So war vor allem der von Gehlen gegründete Bundesnachrichtendienstes (BND) eher damit beschäftigt, die geflohenen Faschisten in Südamerika zu verstecken. Und mit Hans Globke war ein Mitverfasser Nürnberger Rassegesetze bis 1963 unter Bundeskanzler Konrad Adenauer Chef des Bundeskanzleramts. Bauer wird in seinem geschickt geführten Kampf gegen diese braune Seilschaft unterstützt vom jungen Staatsanwalt Karl Angermann (Ronald Zehrfeld), später Vertrauter und Freund. Auch Angermann ist schwul, was ihm schließlich zum Verhängnis wird.

So wie Burghart Klaußner Mimik und Gestik von Bauer imitiert, stellt der ganze Film mit großem Aufwand die späten Fünfziger und die frühen Sechziger nach. Wichtiger als Autos und Kleidung sind allerdings die Haltungen in Justiz und im „Volk". Da gibt es Morddrohungen an den Juden Bauer und Fernsehdiskussion mit Jugendlichen, in welcher Bauer dazu aufforderte, nicht platt „stolz auf sein Land" zu sein, sondern im aktiven Einsatz die funktionierende Demokratie am Leben zu erhalten.

Solche, auch heute noch nachstrebenswerte Prinzipien leiten diesen Mann bei seinem Handeln, für das er sein Privatleben opfert. Das lässt sich konstatieren und beobachten, doch dramatisiert wird es in diesem Film nur zurückhaltend. Es muss ja nicht wie in „Music Box" von Costa Gavras alles auf einen dramatischen Konflikt reduziert werden. Aber Kraumes sorgfältige Aufzählung der bemerkenswerten Ideale Bauers, kommt so zurückhaltend und nüchtern daher wie Bauer selbst. Angermanns Ausschweifung, die den Gegner fast die Kontrolle über Bauer zuspielt, bringt etwas Leidenschaft in die Handlung, aber dies ist nur ein Randkapitel. So erfährt diese wichtige, große Figur unserer Demokratie, die sich mit „heiligem Zorn" der Aufarbeitung von Nazi-Gräuel verschrieb, eine bemühte, gut gespielte Würdigung, die als Lernstoff taugt, aber nicht als entsprechend großer Kinofilm.

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