28.9.15

Alles steht Kopf

USA 2015 (Inside out) Regie: Pete Docter, Ronaldo Del Carmen 95 Min. FSK: ab 0

Grundlage-Vorlesung fürs Psychologie-Studium und ganz großer Spaß: „Alles steht Kopf" ist seit einer Weile mal wieder ein bemerkenswerter Animationsfilm von Pixar. Wenn die personifizierten Gefühle Freude, Ärger, Angst, Ekel und Kummer im Kopf einer Elfjährigen verrückt spielen, springt die Begeisterung im Kopf des Kritikers wild herum.

Hier könnte ein alter Scherz von Otto Walkes einleiten, doch kaum einer, der den Blödelbarden noch kennt, wird in einen heutigen Animationsfilm gehen. Aber „Der menschliche Körper" gemäß Otto sagt (Auge an Großhirn, Auge an Großhirn): Wie hier emotionale Abläufe in kleine, tolle Figuren und ein großes Abenteuer umgesetzt wurden, ist nicht nur für Klein und Groß höchst unterhaltsam, der Spaß ist auch verdammt klug unterfüttert.

Die elfjährige Riley muss in „Alles steht Kopf" mit ihrer Familie vom Land nach San Francisco umziehen, was ihren Gefühlen Schwerstarbeit bereitet. Verzweifelt versucht die tonangebende quietschfidele Freude jeden Tag ein paar schöne Momente - und damit: Erinnerungen - zu schaffen, doch durch Schussligkeit der tapsigen Kummer-Figur und durch ein tatsächlich nicht mehr so prickelndes Leben färben sich die Erinnerungs-Kugeln immer mehr traurig blau ein. Irgendwann drohen sogar die Verbindungen zu den frühkindlichen Freudenquellen verloren zu gehen. Die besorgte Freude muss nun losziehen, um im bunt und witzig animierten System der Gefühlssteuerung eine Katastrophe zu verhindern. Dabei erweist sich die Traurigkeit überraschenderweise als unerlässlicher Begleiter.

Schon bei der „Toy Story" drehte sich die ganze Handlung mit Cowboy Woody und Astronaut Buzz Lightyear nur darum, den jungen Besitzer der Spielzeugfiguren glücklich zu machen. Insofern ist Pixar sich treu geblieben bei „Alles steht Kopf" von Oscar-Preisträger Pete Docter („Die Monster AG", „Oben") und Ko-Regisseur Ronnie Del Carmen („Oben"). Auch in der umwerfend ideenreichen und sorgfältigen Animation etwa vom Prozess des Vergessen - mit einem Staubsauger! Gleichzeitig ist dieser neue Zeichentrick-Spaß der reifste der Animations-Schmiede. Die kognitiven und neuronalen Prozesse sind derart gut recherchiert und nachgezeichnet, dass man den Film tatsächlich als Grundlage für psychologisch Interessierte einsetzen kann. Wenn dabei für alle Zuschauer auch die Weisheit drin steckt, zu seinem Glück auch mal traurig sein zu dürfen, ist das Glück dieses Films perfekt.

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