17.8.15

Southpaw

USA 2015 Regie: Antoine Fuqua mit Jake Gyllenhaal, Rachel McAdams, Forest Whitaker, Oona Laurence, 50 Cent 123 Min. FSK: ab 12

Ein rührender Familienfilm, bei dem die Box-Brutalität so weit geht, dass selbst auf die Kamera eingedroschen wird? Regisseur Antoine Fuqua setzt seine zwiespältige Filmografie mit „Southpaw" besonders problematisch fort: Ein in mehrerer Hinsicht unmöglicher, vorhersehbarer und brutaler Sportler-Film, der doch überzeugt und sogar rühren kann.

Was ist das denn? Da springt einem das Gesicht von Star Jake Gyllenhaal als blutige, zermatschte Visage entgegen, als wolle jemand die Erinnerung an Gyllenhaals subtiles Horror-Debüt „Donnie Darko" mit aller Bild-Gewalt überschreien. Und tatsächlich ist der Boxer Billy Hope mal eine ganz andere Rolle: Als mehrfacher Halbschwergewichts-Weltmeister etwas eitel und wahnsinnig, weil schon matschig in der Birne. Aber doch noch so clever, auf seine viel klügere Frau Maureen (Rachel McAdams) zu hören, und so sensibel, die naseweise Tochter Leila (Oona Laurence) mit ganzem Herzen zu lieben. Doch Boxer wird man nicht nach einer Zusatzqualifikation beim Konfliktschlichten. Es kommt, wie alles in diesem Film vorhersehbar kommt: Billy lässt sich endlich von einem besonders ekligen Konkurrenten provozieren und nach einer unüberschaubaren, schnellen Schnittfolge liegt Maureen erschossen am Boden. Der Witwer Billy verliert nun Kämpfe, sein Vermögen, die Kontrolle über sein Leben und die Erziehungsberechtigung für die Tochter. Ganz unten kriecht er zum bescheidenen Trainer Tick Wills (Forest Whitaker), putzt das Box-Studio und lernt neben Demut eine neue Technik. Dann bekommt er die Chance ... bla bla bla.

Es ist eigentlich schon unverschämt, wie einfallslos Antoine Fuqua und Autor Karl Sutter die Comeback-Geschichte von Rocky und Co. reproduzieren. Dazu setzt Fuqua, wie schon in „Gesetz der Straße - Brooklyn's Finest", „Training Day" und wie all die anderen geistlosen aber gewaltsamen Genre-Varianten heißen, sein effektvolles Kino nur für den Effekt ein, schnelle Schritte und Schnitte im Ring und Super-Slow-Mo als Ausrufezeichen seiner Filmkunst. Höchstens die Botschaft, dass die Welt schlecht sei, und bei den Cops in Los Angeles besonders übel, ist da zu entdecken. Nun hatte Fuqua mit Denzel Washington schon immer jemand Besonderen vor der Kamera, aber Jake Gyllenhaal schafft es tatsächlich, dem Einerlei von Gewalt und Machismo eine neue Richtung zu geben: Trotz unglaubwürdiger Resozialisierung, trotz völlig ignoriertem Umgang mit den eigenen Aggressionen, packt die „Bambi"-Geschichte im Herzen vom Gangster-Boxer-Kram. Der Kampf ums mutterlose Kind in einer staatlichen Erziehungseinrichtung rührt, selbst wenn Billys eigene Erinnerungen ans Heim nur ziemlich am Rande mitlaufen. Und fertig wäre der ideale Film für echte Kerle und ihre sensibleren Mädels. Fast, denn etwas gewaltbeständig müssen die Zuschauerinnen schon sein, und ziemlich geduldig mit gefühlsdusseligen Überlängen die Jungs.

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