17.8.15

Selfless

USA 2015 (Self/less) Regie: Tarsem Singh mit Ryan Reynolds, Natalie Martinez, Matthew Goode, Ben Kingsley 118 Min. FSK: ab 12

Von Taxifahrer zum Milliardär? Diese Karriere macht Ben Kingsley gerade - in zwei Filmen, die sehr schön das Vermögen dieses Ausnahme-Schauspielers zeigen: Bescheiden unter einem Turban befährt er in „Learning to drive" die Straßen von New York. Ganz oben, über dem Central Park thront in „Selfless" hingegen seine Figur des im letzten Stadium krebskranken Milliardärs Damian. Der lehrt erst einem frechen, jungen Emporkömmling eine gemeine Lektion, bevor er sich selbst bei einer obskuren Organisation einen neuen, jungen Körper besorgt.

Bald tauchen allerdings im vermeintlich künstlich gezüchteten Körper (Ryan Reynolds) Erinnerungen auf, die nicht seine sind. Der aalglatte Wissenschaftler meint, dies seien Anpassungsprobleme. Aber Frau und Kind aus den „Anpassungsproblemen" lassen sich auf einer kleinen Farm wiederfinden und bald will die Organisation, die Damian gegen einige Millionen einen neuen Körper gab, gleich dessen ganzes Leben einkassieren. Zwischen ein paar anständigen Action-Einlagen versucht Damian nun nicht nur sein eigenes Leben zu retten. Wobei ... will er sein altes oder das alte Leben seines Körpers?

Auch wenn „Selfless" ein Film vom großen Bildzauberer Tarsem Singh („The Fall", „The Cell") ist, die Verpflanzung eines Menschen in einen neuen Körper verläuft unspektakulär einfach in einer MRT-Röhre. Und überhaupt nicht blutig wie in „Face/Off", dem anderen Film mit Identitätsproblemen und einem Schrägstrich im Titel. Der oft unterschätze Ryan Reynolds („The Voices", „R.I.P.D.", „Green Lantern") trägt den seriöseren Part des Film und trägt tatsächlich auch die innere Zerrissenheit des Protagonisten Damian zwischen zwei Identitäten nach außen. Ihm nimmt man - passenderweise in New Orléans - die hedonistische Freude am neuen Körper ab, der sich in Sport, Sex und Jazz austobt. Dann steckt aber auch noch ein kluger, weiser und vorausschauender Mann in der Figur, der sich mehr mit Raffinesse als mit purer Gewalt gegen seine Verfolger wehrt. Den rührenden Papa darf man ihm zweifach abnehmen, denn beide zeitweiligen „Untermieter" des einen Körpers müssen am Verhältnis zur jeweiligen Tochter arbeiten.

Damit ist „Selfless" in Handlung und im moralischen Gedankenspiel spannend. Der gut inszenierten Geschichte lässt man auch einige zu einfache Abkürzungen durchgehen, weil unter anderem Montage und Musik großartig sind. Dass Tarsem Singh in „The Fall" und „The Cell" schon mal atemberaubende Äußerlichkeiten überwiegen ließ, scheint vergessen. Nun lässt er sogar Spannungsmomente für innere Entwicklungen ruhen, und präsentiert damit einen klugen und spannenden, sehr gelungenen Film.

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