4.8.15

Learning To Drive

USA 2014 Regie: Isabel Coixet mit Patricia Clarkson (Wendy), Ben Kingsley (Darwan), Grace Gummer 90 Min. FSK: ab 0

Die großartige katalanische Regisseurin Isabel Coixet drehte „Mein Leben ohne mich" (2003), „Das geheime Leben der Worte" (2005) und nach „Elegy oder die Kunst zu lieben" (2008) selbstverständlich wieder einen Frauenfilm und Ben Kingsley gibt nach „Gandhi" wieder den Inder. Obwohl, hier fängt das genauere Hinsehen schon an: Kingsley spielt einen Sikh, der als Taxifahrer in New York das Ende einer Ehe miterlebt. Diesmal ist es keine Flause, diesmal verlässt Ted nach 21 Jahren Ehe wirklich die ältere Literaturkritikerin Wendy (Patricia Clarkson). Bei der Aufregung wird ein Manuskript im Taxi vergessen, der freundliche Fahrer Darwan bringt es vorbei und zufällig bietet er auch Fahrstunden an, was die verzweifelt Sitzengelassene genau jetzt braucht, denn die Tochter Tasha begeistert sich neuerdings am ihrem organischen Farmleben außerhalb der Stadt.

Nun ist der Navi dieser Begegnungen im Fahrschulauto nicht auf romantischen Kollisionskurs eingestellt, das wäre zu banal. Wendy und Darwan lernen sich reichlich kennen, stammen sie doch aus ganz unterschiedlichen Welten: Die bekannte Literaturkritikerin ist in intellektuellen Kreisen zu Hause, weiß aber dort als einzige nicht, dass die bejubelte junge Autorin die neue Geliebte ihres Mannes ist. Darwan musste nach seiner politischen Verhaftung und der Ermordung seines Bruders aus Indien fliehen und erhielt politisches Asyl in den USA. Zurück kann er nun nicht mehr, Kontakt mit der Familie hält er per Video-Chat. So soll ihm auch ganz traditionell eine Frau vermittelt werden.

Sie spricht es einmal selbst an, die aufgeklärte, selbständige und moderne Frau: Ich habe alles und liege am Boden. Der immer ruhige und religiöse Mann nickt wieder einmal nur ein wenig mit dem Kopf. Ja, diese Fahrstunden sind auch Lektionen in Lebens-Philosophie und fast Meditation für schwierige Fälle. Man fühlt sich bis ins Kino in sicheren Händen.

So lernt Wendy nicht nur, mit den typischen rasenden und hupenden Idioten fertig zu werden, oder die in New York sehr hinderliche Angst vor Brücken zu überwinden, mit dem Führerschein gewinnt sich auch die Hoffnung wieder. Drumherum erzählt der Turban tragende Darwan von der rassistischen Verfolgung als „Osama", werden seine illegalen Mitbewohner verhaftet und die arrangierte Braut zieht hilflos in die Kellerwohnung.

Der Kern von „Learning to drive" ist jedoch diese schöne, ungewöhnliche Freundschaft. Damit gelang Isabel Coixet ein unaufgeregter, ernsthafter und doch leichter Film. Was ihrer Regie, der Vorlage der amerikanischen Kulturkritikerin Katha Pollitt („Learning to Drive: And Other Life Stories"), dem Schnitt von Scorseses langjähriger Cutterin Thelma Schoonmaker und dem Spiel von Ben Kingsley zu verdanken ist. Die leichte devote, auf jeden Fall zurückhaltende Körperhaltung und der typische indische Dialekt könnten bei jemand anderem zur Karikatur werden. Beim Oscarpreisträger, der schon bei „Elegy" mit Coixet zusammen arbeitete, entsteht eine faszinierende Figur mit Stärke in der Bescheidenheit und Schwächen auf unerwarteten Feldern. Ein reizvoller, reifer Film unter den vielen Taxi-Filmen („Taxi Teheran", „Taxi"), die zur Zeit ins Kino drängen.

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