10.8.15

Dating Queen

USA 2015 (Trainwreck) Regie: Judd Apatow mit Amy Schumer, Bill Hader, Tilda Swinton, LeBron James 130 Min. FSK: ab 12

Grandios, wie der Vater seinen Töchtern erzählt, dass es doch blöd sei, nur mit einer Puppe spielen zu dürfen. Und nicht mit der neuen Puppe oder der Freundin der Puppe... Kurz: Monogamie ist Mist. 23 Jahre später lebt Amy (Amy Schumer) diese Mantra lustvoll und perfektioniert: Den stetig wechselnden Typen für einen Nacht macht sie vor, dass sie die Größten ... seinen und sie selbst soooo unerfahren. Nach ihrem Orgasmus schläft Amy direkt ein und schmeißt dann den Kerl schnell raus.

Als der Sport-Arzt Aaron Conners (Bill Hader), den die Sport-Hasserin für ihre dämliche Männerzeitschrift porträtieren soll, sie ein zweites Mal sehen will, bricht heftige Panik aus. Eine Allergie gegen Löffeln und sein Atem in ihrem Nacken lassen sich mit Abstand im Bett noch ertragen, doch eine ernsthafte Beziehung? Aber selbst der ruppige Papa, gerade im Pflegeheim gelandet, findet Doktor Aaron nett. Nicht nur, weil der haufenweise berühmte Sportler behandelt und kennt.

Amy Schumer schrieb sich mit „Dating Queen" ihren ersten großen Kinofilm selbst. Sie ist spätestens seit ihrer TV-Show „Inside Amy Schumer" auf Comedy Central eine neue Comedy-Sensation, die in Deutschland noch zu entdeckt ist. Wie in „Dating Queen" steckt hinter dem süßen Gesicht eine Menge Zündstoff. Schumer entspricht nicht dem Hollywood-Standard für Frauen, kann dafür süß wirken und bissig sein. In ihren Sketchen nimmt sie ganz alltäglichen Sexismus aufs Korn, spricht aber auch ernsthaft komisch Vergewaltigung an. Beispielsweise im legendären Clip, in dem ein Football-Trainer seinen Stars Gewalt gegen Frauen abgewöhnen will. Frech, selbstbestimmt und rücksichtslos legt Schumer auch ihre Figur Amy an. Promiskuitiv, saufend und ungebunden rumpelt die Redakteurin durchs Leben - es macht Spaß, ihr zuzusehen.

Leider wird auch Schumer für das große Publikum gebremst: Sie veralbert anfangs noch die romantische Montage-Sequenz in Anlehnung an Woody Allens „Manhattan", dann folgt die Handlung immer mehr den Spuren des Liebesfilms - erfolgreich. Mit einer offenen Knie-Operation zu Billy Joels „Uptown Girl", mit herrlichen Auftritten von Basketballstar LeBron James und Tilda Swinton als zynische und zickige Chef-Redakteurin eines Männermagazins für die ganz einfachen Ansprüche. Und dann ist da noch der herrliche Film-im-Film mit Daniel Radcliffe als Hundeführer und Marisa Tomei als sehr anzügliche Hundebesitzerin.

Der alte Trick, Beziehung und Liebe zu negieren, um sie später glaubhaft zu feiern, funktioniert in dieser endlich mal anständigen Komödie von Judd Apatow („Jungfrau (40), männlich, sucht" und „Beim ersten Mal"). Das Kunststück, heftige Attacken gegen verlogenen Kitsch abzulassen und dann selbst ein nettes romantisches Finale hinzulegen, ist gelungen. „Dating Queen" schafft es tatsächlich, zwischen vielen groben Scherzen und schrägen Situationen zu berühren.

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