13.7.15

Unknown User

USA 2014 (Unfriended) Regie: Leo Gabriadze mit Shelley Hennig, Moses Jacob Storm, Renee Olstead, Will Peltz 83 Min. FSK: ab 12

Das Blaire-Mitch-Projekt

Ein vielversprechend erotischer Chat eines jungen Paares endet in einem mysteriösen Gruppen-Selbstmord - so weit, so Klischee des Teen-Horrors. Was „Unknown User", der auch schon mal „Cybernatural" und auch „Unfriended" hieß, so interessant macht, ist die Kameraperspektive nur auf einen Mac-Bildschirm. Auch wenn später die Freunde von Blaire (Shelley Hennig) und Mitch (Moses Jacob Storm) per Skye hinzugeschaltet werden, wenn wir also auch ihre Gesichter und Zimmer sehen, ist dieser Film ideal für die „Jugend von Heute": Man starrt immer nur auf einen Bildschirm.

Was trotzdem spannend wird, als sich zu den sechs Freunden ein gesichtsloser Unbekannter, ein „Unknown User", namens billie127 drängt. Man kann ihn - oder sie? - nicht wegklicken, nicht bei Facebook „unfrienden", selbst der Hacker der Clique scheitert mit seinem Antiviren-Programm und bringt sich als erster um. Unter anderem sehr splatter mit Hilfe eines Mixers. Umso unheimlicher, als billie127 die digitale Widergeburt von Laura Barns zu sein scheint, einer Mitschülerin und Freundin, die sich vor einem Jahr nach grausamem Cyber-Mobbing umgebracht hat. Ein makabres Spiel um die Wahrheit, bei dem die Verlierer und Aussteiger sterben, deckt auf, dass niemand diese Freunde braucht...

Es wird bei „Unknown User", bei dieser einen, ungeschnittenen Einstellung des Computerbildschirms, dieser Rache eines Facebook-Profils im munteren Multitasking geskypt, gechattet, dazu Videos verschickt und auf Facebook tauchen peinliche Partyfotos auf, die niemand verschickt haben will. Die Filmmusik kommt selbstverständlich von iTunes auf dem Rechner. Das verläuft nicht immer unterhaltsam, doch der durchschnittliche Teen-Horror ist selten besser inszeniert. Auch wenn es dramaturgisch sehr schwach begründet ist, dass Ausschalten und Abnabeln vom Netz den (gesellschaftlichen) Tod bedeutet, ist dies beim Zielpublikum wohl sehr gut verständlich. Bei allen Unzulänglichkeiten eines originellen, aber nicht durchgehend gelungenen Konzeptes: Freundschaft stellt sich hier als Hohn dar, das (Cyber-) Mobbing bekommt eine deftige und heftige Antwort. Zwar ohne Auflösung oder Erklärung, aber hey: Diese Sache mit Gott und seinen Strafen war auch nie wirklich logisch.

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