27.7.15

Slow West

Großbritannien, Neuseeland 2015 Regie: John Maclean mit Kodi Smit-McPhee, Michael Fassbender, Ben Mendelsohn, Caren Pistorius 86 Min. FSK: ab 12

In den letzten Jahren ging der Western nicht nur weiter nach Westen, wie es sich gehört, er drang auch immer tiefer in düstere Regionen des Menschlichen vor. „Slow West" setzt diese moderne Tradition fort, wobei er seinen fesselnd ernüchternden Treck mit grandiosen und leuchtenden Bildern ausstattet.

Der Bürgerkrieg ist schon eine Weile vorüber, ehemalige Soldaten treiben sich herum und massakrieren verstreute Indianer. In einen derart wilden Westen kommt der wohlhabende 16-jährige Jay Cavendish (Kodi Smit-McPhee), Sohn aus gutem, schottischem Hause. Ausgestattet mit ungeladener Pistole, Kompass und Reiseführer will der gebildete, kleine Poet seine Jugendliebe Rose Ross (Caren Pistorius) wiederfinden, mit deren Schicksal er tragisch verbunden ist.

Ein Tourist mit geringen Überlebens-Chancen, liefe er nicht dem abgebrühten Silas Selleck (Michael Fassbender) über den Weg: Dieser Kopfgeld-Jäger kommt direkt zur Sache, erschießt ein paar skalpjagende Ex-Soldaten und macht fortan gegen Bezahlung den Babysitter für den naiven schottischen Jungen. Scheinbar. Denn tatsächlich will auch er die Liebe des Jungen finden, die inzwischen steckbrieflich gesucht wird.

Selleck staunt im Off-Kommentar über Jays begeisterte, positive Sicht auf eine Welt, die für ihn selbst nur Verbrecher und Gefahren birgt. Ja, „Slow West" ist, wie „True Grit" dem Western der Coen-Brüder mit Jeff Bridges, ein Spätwestern im pessimistischen Blick auf die Bestie Mensch, dabei ist die schottische Vorgeschichte von Jay auch nicht ohne. Doch außer mit dem immer wieder großartigen Michael Fassbender („Inglourious Basterds", „Shame", „X-Men", „Prometheus", „12 Years a Slave") begeistert „Slow West" mit traumhaften Bildern. Manchmal von einem Alptraum, wie dem Gemetzel an Indianern, aber selbst im Düsteren immer hell strahlend.

Michael Fassbender gibt einen Kopfgeld-Jäger mit faszinierender Ruhe und Gefasstheit, während sich die Leute um ihn herum umbringen. Wie bei einem bitter sinnlosen Gemetzel in einem Lebensmittelladen bei dem zwei kleine Waisen übrig bleiben. Lakonisch und wortkarg wie der Cowboy verläuft auch der gar nicht so langsame Film bis zu seinem irren Finale mit großartigem Shootout. Aber nicht ohne Humor, wenn Selleck und Jay beispielsweise das Skelett eines Holzfällers unter dem von ihm selbst gefällten Baum bestaunen und Darwins Auslese der Fittesten hier am Werk vermuten. „Shooting Star" Kodi Smit-McPhee, der mit der Bestseller-Verfilmung „The Road" bekannt wurde und zuletzt in „Planet der Affen: Revolution" eine Hauptrolle spielte, macht auch in diesem ungewöhnlichen und reizvollen Western wieder eine gute Figur.

„Slow West" ist das Kinodebüt des Schotten John Maclean, Gründungsmitglied der Indie-Band „The Beta Band". Zuvor hatte der Regisseur und Drehbuchautor für den Kurzfilm „Pitch Black Heist" bereits einen BAFTA Award gewonnen. Seine Weltpremiere feierte „Slow West"2015 beim Sundance Film Festival, wo er mit dem Grand Jury Prize ausgezeichnet wurde.

Keine Kommentare: