13.7.15

Señor Kaplan

Uruguay, BRD, Spanien 2014 (Esperando a Mister Kaplan) Regie: Álvaro Brechner mit Héctor Noguera, Néstor Guzzini, Rolf Becker 98 Min. FSK: ab 0

„SS in Uruguay" lautet der Titelsong. Aber keine Sorge, die Suche nach Lebenssinn und einem alten Nazi in der Komödie „Señor Kaplan" verläuft auf liebenswert sensible Weise: Jacob Kaplan (Héctor Noguera), den der Holocaust schon als Junge nach Uruguay gespült hat, ist fast 77 Jahre alt und fragt „Was habe ich erreicht, was geschaffen?" Dann wird ihm auch noch nach einer peinlichen Aktion vor der jüdischen Gemeinde der Führerschein abgenommen. Der ideale Zeitpunkt, um - zum Entsetzen der Familie - etwas Don Quixote zu spielen und Windmühlen zu bekämpfen. Die in diesem Fall als alte Deutsche täglich am Strand baden. Dieser Julius Reich (Rolf Becker) ist doch sicher ein SS-Mann, der sich in Montevideo versteckt...

So folgt und beobachtet Jacob Kaplan zusammen mit dem dicken und dämlichen Polizisten Wilson Contreras (Néstor Guzzini) diesen Exil-Deutschen in der Strandbar und will einen so großen Fang wie Eichmann machen. Aber zuerst entdecken sie die Lebenslüge von Wilson, dessen Entlassung sowie die Trennung von Frau und Kindern. Bald wird klar, dies sind zwei Männer von trauriger Gestalt, die keine Zukunft haben und deshalb den Nazi fangen müssen. Señor Kaplan ist tatsächlich ein Don Quixote, der zwar keine Windmühlen, aber Nazis sieht. Mit einem Sancho Pansa, der niemanden mehr hat, dem er folgen kann.

Die Dialoge zwischen dem dickköpfigen Alten und dem einfältigen Polizisten machen Spaß, ebenso die lakonischen Kommentare der Menschen um sie herum. „Señor Kaplan" ist eine gelungene sensible, melancholische Komödie mit hoffnungsvollem Ende, denn Kaplan merkt zum Glück rechtzeitig, dass er eigentlich doch noch ein Zuhause und eine Familie hat.

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