1.7.15

Minions

USA 2015 Regie: Kyle Balda, Pierre Coffin 91 Min. FSK: ab 0

Merdä big Betrügä - um es mit den beliebten gelben Protagonisten zu sagen. „Minions", die lang erwartete Zeichentrick-Solonummer der gleichnamigen kleinen Helferlein alles Bösen ist in vieler Hinsicht enttäuschend.

Das wusste schon Gotthold Ephraim Lessing, der in Hamburg Zeichentrick oder Ähnliches gemacht hat: Nur gebrochene Charaktere sind interessant. Wenn jetzt die drei Minions durch die Weltgeschichte der 68er hüpfen, sind sie zwar auf der Suche nach dem größten Schurken überhaupt, aber vor allem lieb und niedlich. Das ist enttäuschend, weil doch in „Ich, einfach unverbesserlich" das unberechenbare Wechselspiel der Minions genannten „Side Kicks" zwischen vielen, vielen kleinen Gemeinheiten und dem plötzlichen Aufblitzen eines freundlichen Herzens so viel Spaß machte.

Der Film „Minions" fängt allerdings viel früher an. Als prequeligstes Prequel der Prequel-Geschichte zeigt diese „Vorgeschichte" - so einfach heißt das auf Deutsch - wie die Minions schon bei den Einzellern den gierigsten Fresser bewunderten und ihm folgten. Das ging so weiter über das Zeitalter der Dinosaurier, an deren Auslöschung die ebenso fröhlichen wie simplen und tollpatschigen Kerlchen wahrscheinlich ihren Anteil hatten. Ebenso am Scheitern von Napoleon Armee in Russland. Hier verlor sich die Geschichte der Minions in einer trübsinnigen Eishölle bis im Jahr 1968 der heldenmutige Kevin mit dem besonders unbedarfen Rocker Stuart und den kleinen Bob aufbrechen, einen neuen Oberschurken zu finden, ihm zu folgen und zu ehren.

Drei Minions ziehen also in die weite Welt, stranden in New York, trampen dann nach Florida zu einer Gangster-Versammlung. Und langsam ahnt man, weshalb Side Kicks für Scherze am Rande sorgen, aber halt keine Hauptrolle einnehmen. Etwas Hoffnung blitzt auf, als Scarlett Overkill (im Original von Sandra Bullock gesprochen) die Bühne betritt. Sie hat eine dramatische Kindheitsgeschichte, die den Drang zum Bösen erklärt, ist also endlich ein Charakter unter lauter gelben Flecken auf der Leinwand.

Herrlich, wie sie den drei zu kleinen Helden, in einer Gute-Nacht-Geschichte vom bösen Wolf klarmacht, was passiert, wenn sie nicht für Scarlett die Krone der - ebenfalls schön ruppig gezeichneten - Königin von England klauen. Doch dann stolpern die niedlichen Helferlei wieder durch die Handlung, quieken bei einer gelungenen Action-Verfolgung wild herum und dürfen alle paar Minuten einen Scherz oder eine kulturelle Referenz machen. Da hüpfen sie dann in den Beuteln von Kängurus durch die Gegend und lugen aus einem Kanaldeckel der Abbey Road, gerade als eine bekannte Popband dort den Zebrastreifen überquert.

Selbstverständlich muss im Flower Power von 1968 auch ein „Hair"-Cover gesungen werden. In der Parodie der Geheimagenten-Filme, was „Minions" unter anderem auch sein will, bekommen die freundlichen gelben Leerstellen eine Hypnose-Mütze sowie ein Lava-Gewehr zu dringend notwendigen Frequenz-Erhöhung der Scherze.

Bei aller gallig-gelben Kritik: Einiges ist auch gelungen und dann sogar mehr als nur mäßig amüsant. Doch was sich schon in „Ich – Einfach unverbesserlich 2" andeutete, verdirbt hier grundsätzlich den Spaß: Als aus dem Schurken Gru ein freundlicher Stief-Papa wurde, bekam der einst witzige Film die Originalität einer 127. TV-Fortsetzungsfolge. Und auch die niedlich depperten Minions wird man nicht nur im Teil 3 des Hauptfilms 2017 wiedersehen. Dort aber zum Glück wieder als Side Kicks, als kleine Scherze am Rande, da wo sie hingehören.

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