20.7.15

Magic Mike XXL

USA 2015 Regie: Gregory Jacobs mit Channing Tatum, Matt Bomer, Joe Manganiello, Jada Pinkett Smith 115 Min.

„Magic Mike" mit Channing Tatum war 2012 für einen Soderbergh-Film ein unerwarteter Erfolg bei ganz anderem Zielpublikum. Überdurchschnittlich viele Frauen ließen sich von gut gebauten Männerkörpern begeistern. Deshalb richteten die Produzenten diese XXL-Fortsetzung, die mit dem ersten Film ästhetisch nicht viel zu tun hat, direkt auf das zufällig gefundene andere Publikum. Und das bekommt einiges geboten: Wie Mike (Channing Tatum) sich in seiner Möbelschreinerei die Stange anschleift, ist lächerlich obszön. Wenn er dann der Tanzmusik nicht widerstehen kann, versteht man, dass der Traum mit dem Ausstieg und dem Möbel-Design aus dem ersten Film nicht funktionieren wird.

Gut dass gerade die Stripper-Kumpels von früher vorbeikommen und den frustrierten Single Mike mit zu einer Stripper-Konvention mitschleppen. Was eigentlich eine traurige Veranstaltung ist, denn die gut bestückten Super-Körper sind auch mit Beziehungsproblemen und Komplexen gut ausgestattet. So wird eine furchtbar lange Zeit verhindert, dass der Film endlich zur Sache, also zum Strip kommt. Vorher räumt Mike mit den alten Tanz-Routinen der Truppe auf und lässt die Jungs ihr Verführer-Herz wieder entdecken. Er selbst schwelgt mit einem Besuch im Freudenhaus, in dem die männlichen Stripper die Attraktion sind, in vergangenen Affären. Als Zugabe gibt es eine Runde frustrierter und alkoholisierter Frauengeständnisse.

Es tanzen in der künstlichen Produkt-Verlängerung „Magic Mike XXL" hauptsächlich lächerliche Figuren vor: Ein muskulöser Mickey Rourke-Verschnitt und Kleiderschrank, ein esoterischer Schönling, ein Latino für die Quote, und ein überforderter Chef. (Der Dallas- und Charakterdarsteller Matthew McConaughey hat sich clever aus diesem Nachklatsch verabschiedet.) Mit T-Shirt vom Körper reißen, Popcorn über den Kopf verstreuen, und Limo-Flaschen im Schritt spritzen lassen kann man das als XXL-Lachnummer sehen. „Mann" fragt sich, was das alles soll, aber „frau" hat wenigstens ein paar Szenen lang Spaß und fühlt sich verstanden. Denn die einzelnen Tanznummern sind sehr mäßig choreographiert und noch viel schlechter inszeniert. Pure Paarungs-Tänze, bei denen Anfassen ausdrücklich erlaubt ist. Es geht nicht mehr darum, für Paarung zu werben - es wird direkt pantomimisch Sex simuliert.

Doch immer betont der lahme und undramatische „Magic Mike XXL" in Wort und Bewegung, dass man vor allem Frauen verwöhnen will - mit schönen Körpern, Rap und auch mal Breakdance. Tatsächlich spielen Channing und Co hinter den harten Muckis weiche Frauenversteher und Heiler der Geschiedenen. Bis es dann doch wieder Geldscheine regnet und die zahlenden Kundinnen nur noch begeistert schreien. Wenn sogar die Hauptfigur Mike seine neue Freundin in einer Bühnenshow einbaut und derart „verwöhnt" ist das doch arg irritierend. So wie das ganze Film-Konstrukt. Dass Kamera und Schnitt immer noch in den Händen von Steven Soderbergh lagen, ist angesichts des Ergebnissens ziemlich unglaublich. „Magic Mike XXL" demonstriert als überlanges Manifest nur, dass der Regisseur Soderbergh alles aber auch wirklich alles großartig verfilmen könnte.

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