7.7.15

Escobar - Paradise Lost

Frankreich, Spanien, Belgien, Panama 2014 Regie: Andrea di Stefano mit Josh Hutcherson, Benicio Del Toro, Brady Corbet, Claudia Traisac 120 Min. FSK: ab 16

Pablo Escobar, der 1993 im durch ihn berüchtigten kolumbischen Medellín starb, war einer der mächtigsten, reichsten und brutalsten Drogenhändler der Welt. Er gab Kolumbien den schlechten Ruf, den es heute als Kokain-Produzent „genießt". Benicio Del Toro, der selbst in Turnhose und Trainingsanzug grandios auftreten kann, macht Escobar zu einer charismatischen Figur, wenn der sich jovial gebende Verbrecher das von Kugeln durchsiebte Auto von Bonnie & Clyde putzt. Doch nicht die Titelfigur Escobar steht im Zentrum des sehr packenden Thrillers „Escobar" vor realen historischen Hintergründen vom Debütanten Andrea di Stefano. Es ist der junge kanadische Auswanderer Nick, der sich ausgerechnet in Escobars Nichte Maria verliebt.

Eigentlich ist Nick (Josh Hutcherson) nur für seinen Bruder in Kolumbien. Weil der nicht mehr surfen kann, will er ihm doch den Traum einer Strandbar mit Surfschule erfüllen. Schnell wollen kleine, brutale Gangster abkassieren und genauso schnell verlieben sich Nick und Maria (Claudia Traisac) ineinander.

Für den jungen Kanadier, der von allen Gringo genannt wird, ist alles anders bei der großen südländischen Familienbande. Nick versteht ja auch kaum Spanisch. Doch ein Onkel von Maria ist besonders speziell: Nick sieht den übermächtigen Pablo Escobar am Anfang der Geschichte auf einem riesigen Plakat als Wohltäter und Klinik-Stifter. Bei einer pompösen Geburtstagsfeier mit goldenem Besteck erfährt er erst von der Basis des riesigen Reichtums Escobars, während dieser ein rührendes Liebeslied schmettert: Es ist die industrielle Produktion und der Handel mit dem Kokain.

Nick ist als Verlobter bald Mitglied der Familie, im inneren Kreis, was ihm blutige Einblicke in die schmutzigen Geschäfte des Drogenbarons gewährt. Durch den Prolog wissen wir, in welche Konflikte dies Nick bringen wird. Als sich der Staat gegen ihn zu wehren versucht, lässt Escobar den Justizminister ermorden und bringt eine Terrorwelle über Kolumbien. Alles droht zusammenzubrechen und Nick muss sich entscheiden, ob er auch auf die Seite der Mörder wechselt, unter deren Schutz er gut gelebt hat.

Benicio Del Toro wirkt großartig als gefährlicher Verführer. Doch es gibt keine psychologischen Duelle, die Hintergründe des Drogenhandels und die Folgen für die Menschen, das Land und die Politik lassen sich nur erahnen. „Escobar" ist ein einfacher Film, aber auch einfach gut: Exzellent und unaufdringlich packend inszeniert, raffiniert montiert und dabei einen starken emotionalen Bogen spannend. Josh Hutcherson, der Peeta aus „Hunger Games", hat ein gutes Gesicht für den bedachtsamen Aussteiger Nick. Der ist nicht einfach naiv - wie er der Verführung durch die Macht - und die Liebe - begegnet, lässt sich nachvollziehen und miterleben. Hutcherson macht selbst den Wechsel zur Gewalt glaubwürdig. Claudia Traisacs Maria allerdings, die lange nur Gutes in ihrem Onkel sieht, fungiert tatsächlich nur als Randfigur.

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