19.7.15

Ant-Man

USA 2015 Regie: Peyton Reed mit Paul Rudd, Michael Douglas, Evangeline Lilly, Corey Stoll 115 Min. FSK: ab 12

Die populären Comics von Marvel und DC mit ihren „Figuren für Kinder" stellen eine „Flucht vor der Komplexität der modernen Welt" dar. Das sagt nicht irgendein verstaubter Kulturheini sondern ausgerechnet Alan Moore, der Autor des Kult-Comics „Watchmen". Und zum Beweis kommt mit „Ant-Man" nun die nächste Action-Figur im Comic-Laden der Marvel-Filmproduktion ins Kino. Die ewige Routine der Superhelden-Comics gewinnt hier nur durch Ameisen-Perspektive in 3D etwas Interesse.

Frisch aus dem Gefängnis entlassen, will Scott Lang (Koautor Paul Rudd), raffinierter Einbrecher mit Hang zur Weltverbesserung, vor allem endlich Zeit mit seiner kleinen Tochter verbringen, die bei der Ex und einem anderen Mann aufwächst. Doch aus Mangel an Jobs klaut Scott wieder und qualifiziert sich damit beim bestohlenen Genie Hank Pym (Michael Douglas) für einen großen Raubzug in ganz kleinem Format: Geschrumpft auf Ameisengröße soll Scott mit Hilfe eines winzigen Superhelden-Anzug eine konkurrierende Ausrüstung entwenden, die ein größenwahnsinniger Zögling von Rym an die falsche Seite, an die Organisation Hydra verkaufen will.

Bevor dieser Trickspaß in 3D allerdings los legt, muss sich „Ant-Man" durch reichlich viel Drama quälen: Verstoßene Söhne und vernachlässigte Töchter belasten alle Beteiligten, derartige Küchen-Mythologie und -Psychologie wiederum den Film. „Ant-Man" ist ein langer Epilog, eine ausführliche Vorstellungsrunde noch einer Marvel-Figur, die am Ende den Weltretter-Club von „Shield" ergänzen darf. Der Baukasten der Figurenentwicklung und Genesis ist in diesem Marvel-Universum allerdings arg begrenzt.

Dann, nachdem Scott erst widerwillig winzig wird, geht es endlich los mit rasanten 3D- und Trick-Sequenzen. Eine erste atemberaubende Achterbahnfahrt, zeigt was bei diesen Groß-Klein-Effekten drin ist. Der große Kampf mit dem Oberschurken Darren Cross (Corey Stoll) findet in einem Aktenkoffer statt, der gerade aus einem Helikopter stürzt. Die Fortsetzung im Kinderzimmer von Scotts Tochter präsentiert sich dieser herrlich komisch nur über scheinbar grundlos herumfliegende Spielzeuge. Denn selbstverständlich hat der filmische Winzling Ant-Man als Superheld auch Superkräfte.

1962 hatte Ant-Man seinen ersten Auftritt in den Comics, in denen er unter anderem auch zu den Gründungsmitgliedern der Heldentruppe The Avengers gehörte. Das ist jedoch als Film selbst mit Unterstützung von drei Witzfiguren und bissiger Romantik mit Pyms Tochter Hope (Evangeline Lilly) eher ein kleines Ding, das sich mit nur wenig kritischem Insektenvernichtungsmittel schnell in Banalität auflöst. So sehr muss auf die Integration in den Avengers-Club geachtet werden, dass „Ant-Man" nur mäßiger Vorfilm wurde. Hinzu kommt eine kaum erträgliche schlimme Synchronisation bei Michael Douglas.

Stan Lee, der Übervater all dieser Comics, hat wegen der Comic-Inflation zwar gerade einen harten Job, weil er immer noch bei jeder Verfilmung seiner Werke einen kleinen Auftritt wahrnimmt. Doch irgendwann sollte das endlose, ideen-arme Versammeln neuer Superhelden auch den Fans zu viel werden. Hoffentlich.

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