13.7.15

Am grünen Rand der Welt

Großbritannien , USA 2015 (Far From The Madding Crowd) Regie: Thomas Vinterberg mit Carey Mulligan, Matthias Schoenaerts, Michael Sheen 119 Min.

Nach dem Drama „Die Jagd" mit Mads Mikkelsen zeigt der Dogma-Däne Thomas Vinterberg („Das Fest") in der wunderbar fotografierten und mit Carey Mulligan, Matthias Schoenaerts und Michael Sheen exzellent besetzten Thomas Hardy-Verfilmung erneut sein Können. Die von Carey Mulligan vielschichtig gespielte Farmerin steht in einem wahren Sturm von Schicksalsschlägen zwischen drei Männern. Der Belgier Matthias Schoenaerts („Rundskop", „Die Gärtnerin von Versailles", „Der Geschmack von Rost und Knochen") gibt mit dem stoischen und treuen Schäfer Mr. Oaks einen hervorragenden Mikkelsen-Ersatz.

Im England des ausgehenden 19. Jahrhunderts macht der mit einer stattlichen Anzahl Schaf und auch sonst gut bestallte Schäfer Gabriel Oak (Matthias Schoenaerts) seiner wilden, unabhängigen Nachbarin Bathsheba Everdene (Carey Mulligan) einen Heiratsantrag. Doch Bathsheba will keinen Mann, will niemandes Eigentum sein. Dann, bevor man viel grübeln könnte, schlägt das Schicksal zweifach mit der typischen Tom Hardy-Gnadenlosigkeit zu: Zuerst stürzen in einem grandiosen Akt des Wahnsinns in der Natur alle Schafe wie Lemminge von den Klippen. Dann wird aus der Bäuerin in Dreck und erdigen Kleidern durch ein Erbe eine Gutherrin. Oak landet bald wie Hans im Glück auf ihrem Hof, doch dort werben bald der reiche Nachbar (Michael Sheen) und ein schmucker Offizier (Tom Sturridge) ebenfalls um die ungewöhnliche Frau.

Kurz nach dem 175. Geburtstag des englischen Schriftstellers Thomas Hardy am 2. Juni 2015 kommt die vierte Verfilmung seines Romans „Far From The Madding Crowd" in die deutschen Kinos. Tatsächlich wird dabei diskutiert, ob die viktorianische Gutsbesitzerin Bathsheba Everdene eine frühe Feministin war. Vinterberg scheint das nicht besonders zu interessieren. Er schwelgt in den romantischen Personenkonstellationen und gibt auch der Kamera reichlich Landschafts-Futter.

„Am grünen Rand der Welt" liegt nicht „Manderlay" von dem anderen Dogma-Dänen. Dies ist ein toller, wunderbarer historischer Liebesfilm, aber nicht das typische Dänen-Material. Dafür vielleicht auch etwas Jane Austen. Denn durchaus gibt es Frauen-Sätze wie „Was für ein Luxus, wählen zu können" und „Es ist schwer für eine Frau, ihre Gefühle gegenüber einem Mann auszudrucken in einer Sprache, die von Männern gemacht wurde". Man kann es aber auch mit der Erotik des gemeinsamen Schafe-Waschens und des Heu-Abdeckens vor dem Sturm, mit vielen sehnsüchtigen Blicken genießen, wie sich die Widerspenstige erst tragisch langsam dem Richtigen zuwendet. Das ist in der wechselvollen Geschichte, den auserlesenen formulierten Dialogen, den großartigen Bildern aber vor allem im exzellenten Schauspiel von Carey Mulligan und Matthias Schoenaerts ein ganz besonderes, unbedingt sehenswertes Kino-Vergnügen.

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