22.6.15

Strange Magic

USA 2015 Regie: Gary Rydstrom 99 Min. FSK: ab 0

„Strange" also seltsam ist alles an diesem Zeichentrick, der wohl kaum in den Kindervorstellungen funktionieren wird. Vielleicht hat die wie Ohrschmalz zum Musical geronnene Liebe zwischen einem Schmetterling und einer Kakerlake eine Chance als seltsamer Mitsing-Kultfilm im Stile von „Rocky Horror Picture Show".

Im Feen- und Märchenreich soll wieder eifrig geliebt und geheiratet werden, doch der charming Prinz erweist sich als untreuer, hinterhältiger Depp. So schwört die kämpferische Fee Marianne der Liebe ab und ist damit die ideale Partnerin für den düsteren Bog King, Herrscher der dunklen Seite dieses Films. Ja, hier klingt mit Absicht die dunkle Seite der Macht an und tatsächlich stammt die Story - mit Resten aus Shakespeares „Ein Sommernachtstraum" - von George Lucas. Aber keine Angst, auch wenn die Geschichte von „Strange Magic" ähnlich simpel ist wie die von „Star Wars" und die Figuren ebenfalls aus den hässlichsten Ecken des Universums kommen, dies wird sicher keine neunteilige Elfen-Saga.

Denn „Strange Magic" ist eine einfache Schwarzweiß-Geschichte mit erstaunlich wenig ansprechenden Farben und Figuren, die bei Streben nach Originalität wirklich einzigartig hässlich und abschreckend ausgefallen sind: Feen mit Schmetterlings-Flügeln und unbeschreiblich lang gezogenen Ohren, eine Kakerlake als romantische männliche Hauptfigur ... die trauen sich was bei der Trickschmiede von Lucasfilm!

Aber vor allem der Musical-Fan ist entsetzt: Denn in „Strange Magic" verfallen alle Figuren so schnell wie möglich in penetrantes Covern von Pop-Songs. Das ist wie ein „Moulin Rouge", bei dem alles Geniale, Wunderbare und Großartige wegradiert und von Furchtbarem übermalt wurde. Und doch, wie erstaunlich: Selbst vor diesem unfassbar mies gemalten Hintergrund wirken Evergreens wie „I'll Never Fall in Love Again" von Burt Bacharach. Von Whitney Houstons „I Wanna Dance with Somebody (Who Loves Me)" über Queens „Crazy Little Thing Called Love" bis „Wild Thing" von den Troggs aus dem Jahre 1966 reicht der Reigen mäßiger Gesangsnummern von den „Voice Talents", also Schauspielern, die man nicht sieht. Das macht schon theoretisch fraglich, für wen dieser Film eigentlich gemacht wurde: Kinderzeichnung, die selbst die übelsten Gören nicht verdient haben, mit Musik, die sie höchstens von den Großeltern kennen könnten. Strange ... sehr seltsam.

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