9.6.15

Miss Bodyguard - In High Heels auf der Flucht

USA 2015 (Hot Pursuit) Regie: Anne Fletcher mit Reese Witherspoon, Sofia Vergara, Matthew Del Negro 88 Min.

Eine unterschätzte Polizistin darf erstmals raus aus dem Büro und trumpft beim Schutz einer Gangsterin groß auf. Diese Handlung gab es nicht nur bei „Spy" erst letzte Woche wieder mal, sie ist - freundlich gesagt - übersichtlich. Dass „Miss Bodyguard" trotzdem ein klasse Spaß wurde, liegt an den Hauptdarstellerinnen Reese Witherspoon und Sofia Vergara. Wobei vor allem Witherspoon mehr ist als das erfolgreiche Dummchen aus „Natürlich blond". Sie erhielt nicht nur 2006 den Oscar als Beste Hauptdarstellerin in der Johnny Cash-Bio „Walk the Line", sie produzierte sich daneben klug selbst in dem Aussteigerdrama „Der große Trip - Wild" sowie in „Mein Schatz, unsere Familie und ich" (2008) und „Penelope" (2006). Auch bei dem David Fincher-Thriller „Gone Girl - Das perfekte Opfer" hielt sie hinter den Kulissen Fäden in der Hand.

In „Miss Bodyguard" gibt Witherspoon die herrlich - oder weiblich - verschrobene Polizistin Cooper, deren tapferer Einsatz mit dem Elektroschocker gegen den Sohn des Bürgermeisters im Internet Funken schlug. Deshalb schiebt die Tochter eines Polizisten, die praktisch im Einsatzwagen aufwuchs, Dienst in der Asservatenkammer. Bis sie anstandshalber die Frau eines Kronzeugen aus dem Drogenkartell zum Gericht begleiten soll. Doch schon bald schießen sich gleich mehrere Gruppen gegenseitig über den Haufen, sodass Cooper mit der extremen Latina-Zicke Danielle Riva (Sofia Vergara, aus „Kiss the Cook") allein auf der Flucht vor Gangstern und korrupten Cops in Texas ist.

Witherspoon macht selbst aus albernen und blödsinnigen Sachen was Gutes. Sie gibt schon im Department eine super Witznummer, wenn ihre Polizistin Cooper nach dem Regelbuch der Ausbildung „wie ein kleiner Roboter" in Codes redet, die selbst Kollegen kaum verstehen. Auch draußen ist das Auto ein „persönliches Fahrzeug", was nicht nur Riva in den Wahnsinn treibt. Aber auch die Koks-Königin wird kräftig karikiert, wobei für beide Frauen gilt, dass sie immer ihre Würde und viel Stolz behalten. Wenn es eine detaillierte Beschreibung der Menstruation gibt, ist das mal eine Ekel-Einlage mit feministischer Klasse, weil sie Leben rettet angesichts zweier Killer mit Angst vor Körperflüssigkeiten. Das gleiche gilt für die lesbische Nummer mit der sie einem schießwütigen Farmer entkommen. Gemein ist wirklich nur der Running Gag, in dem bei den Fahndungsmeldungen die kurz gewachsene Cooper immer kürzer und Riva immer älter wird. Wie sich diese blondierten Thelma und Louise im Zickenkrieg bewähren, ist ein großer Spaß mit Stil und viel Frauen-Power. Was auch der bewährten Erfolgsregisseurin Anne Fletcher („Unterwegs mit Mum", „Selbst ist die Braut", „27 Dresses") zu verdanken ist.

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