10.6.15

Love Hotel

Großbritannien, Frankreich, Japan 2014 Regie: Phil Cox, Hikaru Toda 75 Min.

Das Angelo Hotel in Osaka ist eines von 37.000 Love Hotels in Japan, in die täglich 2,5 Millionen Menschen gehen. Es sind keine Bordelle, sondern die einzigen Orte, wo Paare, Geliebte und selbst Einsame aus der strukturierten Gesellschaft ausbrechen können. Hier lebt die japanische Gesellschaft ihre Liebe, Wünsche, Fantasien und Geheimnisse diskret und anonym aus. Entsprechend wird im packenden Dokumentarfilm von Phil Cox und Hikaru Toda nicht wie in den Filmen von Seidl („Im Keller") das Schräge, „Perverse" gesucht und vorgeführt. Hier betritt man respektvoll staunend eine Insel der Freiheiten inmitten einer streng reglementierten Gesellschaft. Mit einem Ehepaar treffen wir eine Auswahl der Themenräume auf der beleuchteten „Menükarte". Herr und Frau Sakamoto projizieren dort alte Pornos mit einem Super8-Gerät und erzählen von ihrer Liebe und Zeiten als das mit dem Sex noch besser klappte. Ebenso einfühlsam und zurückhaltend sind die Porträts eines alten Mannes, des schwulen Paares oder der Angestellten im Love Hotel. Selbst das der Domina zeigt sie als sehr verständnisvoller Mensch. Überhaupt ist der interessante und oft berührende Film sehr menschlich und dann auch hochpolitisch. Denn am Ende will wieder eine konservative Regierung auch die letzten Freiheiten unterdrücken und das Love Hotel muss schließen.

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