15.6.15

Die Lügen der Sieger

BRD, Frankreich 2014 Regie: Christoph Hochhäusler mit Florian David Fitz, Lilith Stangenberg, Horst Kotterba, Ursina Lardi 112 Min. FSK: ab 12

Dem Filmemacher Christoph Hochhäuser, nach „Unter Dir die Stadt" (2010) und „Falscher Bekenner" (2005) hoch gehandelt, gelingt mit „Die Lügen der Sieger" die Quadratur des Kreises: Ein spannender, aktueller Polit-Thriller, der nicht nur seinen Aufdeckungsjournalisten böse ins Leere laufen lässt und damit raffiniert alle Erwartungen konterkariert.

Der angesagte Florian David Fitz spielt den zuckerkranken und spielsüchtigen Enthüllungs-Journalisten Fabian Groys, den seine Assistentin nur Porschefahrer nennt. Während Groys jedoch seinen alten 911er öfters verpfänden muss, scheint seine Recherche grundsolide: Er entdeckt, dass schwer kranke Bundeswehr-Soldaten entlassen und an eine Giftmüll-Deponie vermittelt werden, damit sie aus der Statistik fallen. Doch parallel speisen ein Giftmüll-Lobbyist und der höchst unsympathische Wirtschaftsminister zusammen. Das Chemikaliengesetz zur „Harmonisierung" - sprich: Verharmlosung - mit EU-Vorschriften ist eigentlich schon durch und ein Zeitungsartikel zu dem Thema käme nicht gut.

Nun werden im packenden Thriller „Die Lügen der Sieger" im großen Stil Computer angezapft, Dokumente gefälscht, Zeugen gekauft und Betroffene eingeschüchtert. Das brisante Material, das Groys zugesteckt wird, ist längst manipuliert und am Ende ist der entdeckte Skandal nur heiße Luft. Was in der hektischen Branche keinen wirklich interessiert.

Dies alles samt einer lustig knisternden Fast-Affäre mit der Praktikantin inszeniert Hochhäusler mit beunruhigend ungewöhnlichen Perspektiven, raffiniert kribbelig machendem Soundtrack und unruhigem Schnitt. Während US-Thriller mit ähnlichem Sujet („Staatsfeind Nr. 1") mit einem Overkill an Überwachung und Tricks beeindrucken, es aber am Ende alles wieder gut sein lassen, bleibt hier eine tiefe Verstörung. Die Irritation im Detail verwebt sich mit einer hinterhältigen Geschichte zu einem ungewissen Gefühl, dass da draußen Einiges ganz und gar nicht stimmen könnte. So ein Antiklimax, wirkungsvoller als das übliche Happy End, erfordert Mut und Können. Hochhäusler beweist wieder einmal beides.

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