2.6.15

Camino de Santiago

Schweiz 2015 Regie: Jonas Frei, Manuel Schweizer 86 Min. FSK: ab 0

„Ich bin dann mal weg" sagen auch immer mehr Filmteams und stehen sich dann wahrscheinlich ziemlich auf dem Jakobsweg im Weg. Die Schweizer Filmemacher dieser Dokumentation versuchen es mit Blitzinterviews von der Strecke. Das ist zwar nicht ganz so atemlos wie die Kurz-Verhöre von Sportlern direkt nach Abpfiff, aber das Missverhältnis zur eigentlichen Sache ist ähnlich: Während sich Menschen auf vorsätzlich langen und besinnlichen Wegen befinden, sollen kurze Gespräche die Essenz davon einfangen. Das ergibt ein internationales Kaleidoskop an Motiven, vom sportlichen bis zum - seltenen - spirituellen. Stichworte sind Scheideweg oder „Reset" des Lebens. Die Kameras zeigen dazu immer wieder Wege und Landschaften, Stadtansichten. Besonders stolz ist der nur mäßig interessante Film auf seine Luftaufnahmen, die nett aussehen, aber keine Vertiefung irgendeines Themas ergeben.

Die behauptete Bescheidenheit der Pilger legt der Film hier selbst nicht an den Tag. So irritiert auch, dass viele Gespräche wohl gleich mit zwei Kameras aufgenommen wurden. Das Team machte sich selbst zu viert mit Fahrrädern auf den Weg. Die Gerätschaften für die Luftaufnahmen waren auch dabei. Insgesamt also eher Über- als Einblick.

Das eindimensionale Ergebnis enthält so gut wie keinen historischen, soziologischen oder sonst irgendeinen Hintergrund. Nur ein paar kritische Worte zum Ende hin, wenn angesichts überfüllter Herbergen der inflationäre Jakobsweg-Tourismus beklagt wird. Die einfachen Eindrücke, von denen es sehr viele gibt, können kaum interessieren, geschweige begeistern. Dafür kann die Musik mächtig nerven.

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