31.5.15

Nice Places To Die

BRD 2014 Regie: Bernd Schaarmann 110 Min. FSK: ab 6

Der Filmemacher Bernd Schaarmann setzt mit „Nice Places To Die" seinen eigenen „naiven Blick" aus dem ebenfalls sehr persönlichen Vorgänger „Leben und Sterben in Castrop-Rauxel" fort. Dieser Film begann mit den Worten: „Ich bin Bernd und ich bin ein Bestatterkind." Für „Nice Places To Die" begab er sich auf eine Weltreise zu Friedhöfen in Argentinien, Kairo (Ägypten), Manila und Sulawesi (Indonesien) und kehrt zurück mit eindrucksvollen Aufnahmen sowie erweiternden Einsichten über ein anderes Miteinander von Leben und Tod.

Aus Buenos Aires kommt Ricardo, der mit seinem alten Transporter Tote hunderte Kilometer durch Argentinien fährt und auch schon mal im Transporter neben dem Sarg des Verstorbenen übernachtet. In Kairo, in der größten Totenstadt der Welt leben 10.000 Menschen seit Generationen zwischen den Toten. Hier ist der Friedhofsaufseher ein Makler, es gibt Postamt und Schulen, Friseur und Kiosk. Sowie normale Familienleben. Denn das ist einer der vielen Glücksfälle dieser sehenswerten Dokumentation, sie verfällt nicht in sozialem (An-) Klageton, sie zeigt das Feiern und das Rauchen der Wasserpfeifen in Kairo, das Spiel der Kinder in Manila. Dass die Kleinen einen Schädel herumkegeln, bis der zerbricht, ist für den westlichen Zuschauer spürbar grenzwertig.

In „Nice Places To Die" (deutsch: Nette Orte zum Sterben) stehen Schicksale armer Familien, die eigentlich anders leben wollen, neben heftigen und kuriosen Geschichten: Vor allem von der Mutter, die auf Sulawesi seit Jahren balsamiert im Haus der Familie liegt. In solchen Momenten, theoretisch unterfüttert mit diesem anderen Konzept von Dies- und Jenseits beim indonesischen Hochlandvolk der Torajas, kehrt der bild- und gedankenreiche, doch trotzdem leichte Film zu seinem Kern zurück. Die Frage „wie fühlt sich das an, mit dem Tod auf Du und Du?" führt zu einer ganz anderen Umgang mit dem Tod.

Der von der Film- und Medienstiftung NRW mit dem Gerd-Ruge-Stipendium geförderte, sehr sehenswerte „Nice Places To Die" begeistert mit erweiternden Einblicken und Erkenntnissen zu Leben und Tod, die in anderen Kulturen nicht als Gegensätze verstanden werden. So ist es dann nach dem glücklichen Erleben dieses Films gar nicht mehr eine so bittere Pointe, dass ausgerechnet der Regisseur Bernd Schaarmann, der sich so intensiv mit dem Tod beschäftigte, Oktober 2014 im Alter von erst 46 Jahren verstarb.

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