10.5.15

Melodys Baby

Belgien, Luxemburg, Frankreich 2014 (Melody) Regie: Bernard Bellefroid mit Lucie Debay, Rachael Blake 92 Min. FSK: ab 12

Auf die Frage, weshalb die junge, arbeitslose Französin Melody (Lucie Debay) für Geld die Risiken der Leihmutterschaft mit Hormonbehandlung auf sich nehmen will, meint sie nüchtern: „Arm sein ist riskanter." Da spricht eine Verwandte von „Rosetta" der Dardennes. Ebenso verzweifelt wie dieses Lütticher Mädchen auf der Suche nach einem Job wirft Meldody Handzettel ein, um Leuten in deren Wohnung Haare zu schneiden. Und dann mit den unter vielen Entbehrungen zusammengesparten Euros, ohne eigene Wohnung, eine Anzahlung für einen Friseurladen macht.

Es rührt nicht nur ihre Auftraggeberin Emily (Rachael Blake), dass Melody dies alles für ihren Traum vom eigenen Geschäft tun will. Die harte Business-Frau aus England blickt sehnsuchtsvoll aus dem Grau ihres Büroalltags auf das bunte Leben im Betriebs-Kindergarten. 50.000 plus Unkosten zahlt sie für das Austragen ihrer befruchteten Eizellen und die sonstigen Prozeduren in der Ukraine.

„Melodys Baby" ist keineswegs ausgewogener Diskussionsbeitrag um Leihmutterschaft oder künstliche Befruchtung. Dazu hat der eindringliche und sehr emotionale Film viel zu viel Eigenes, über das man ausgiebig und leidenschaftlich diskutieren kann. Der Film entscheidet sich nie für eine der beiden Perspektiven, zeigt parallel das Leben beider Frauen, die über erst Telefon intensiven Kontakt halten und dann zusammenziehen. Obwohl Emilys Vertrauen öfters auf die Probe gestellt wird, so mit Melodys Lüge von einer Tochter, die es gar nicht gibt, muss sie ihrer Leihmutter vertrauen. Das gemeinsame Schicksal macht sie fast zu Freundinnen, im gleichberechtigten Wechsel von Englisch und Französisch tauschen sie ihre dunkelsten Lebenserfahrungen aus.

Die ganz spezielle Geschichte von „Melodys Baby" ist mit zwei sehr heftigen Schicksalen ein Melodram in realistischem, gegenwärtigem Setting - sehr, sehr bewegend und erschütternd. Rachael Blake und Lucie Debay spielen exzellent und herzzerreißend, die Kamera ist hervorragend, das Drama packt in den ersten Minuten und lässt nicht mehr los. Schade nur, dass sich das heftige Ende sich einerseits auch sehr einfach und radikal von einem Problem entledigt.

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