19.5.15

Mein Herz tanzt

Israel, BRD, Frankreich 2014 (Dancing Arabs) Regie: Eran Riklis mit Tawfeek Barhom, Razi Gabareen, Yaël Abecassis, Michael Moshonov, Ali Suliman, Danielle Kitzis 104 Min. FSK: ab 6

Mit der israelisch-deutsch-französischen Produktion „Dancing Arabs" gelingt dem israelischen Regisseur Eran Riklis („Die syrische Braut", „Lemon Tree") ein großartiges Plädoyer für ein menschliches Zusammenleben im konstant krisengeschüttelten Nahen Osten. Die fabelhafte und reiche Entwicklungs-Geschichte des israelischen Palästinensers Eyad entstand dem halb-autobiographischen Roman „Dancing Arabs" des in New York lebenden Haaretz-Kolummnisten Sayed Kashua.

Eyad (Tawfeek Barhom) wächst in einem arabischen Dorf mitten in Israel auf. Seine verrückte Familie beschreibt er in Rückblenden herrlich pointiert. Zum Beispiel: „Mein Vater ist ein Terrorist!" Er studierte zwar in Jerusalem, doch dann wurde er ohne Anklage jahrelang ins Gefängnis geworfen. Der sehr intelligente Eyad folgt ihm teilweise: Als erster Araber darf er auf einem Eliteschule in Tel Aviv studieren. Die erwarteten Schikanen übersteht er mit Mut und klugem Kopf, dann verliebt er sich sogar in die Jüdin Naomi (Danielle Kitzis). Eine Romeo und Julia-Romanze mit ungewissem Ausgang beginnt, weil gleich zwei Gesellschaften dagegen sind. Erst als Eyad beginnt, Yonatan zu pflegen, der an Multiple Sklerose leidet, nimmt sein Leben eine radikale Wende. Die Jungs werden Freunde und mit Unterstützung von Yonatans Mutter, einer Richterin, nimmt der Araber die Identität des jüdischen Israeli an. Fortan ist sein Leben einfacher und sein Herz zerrissen.

Ein pralles Kaleidoskop an Geschichten, Erlebnissen und Gefühlen bündelt Eran Riklis in dem exzellent erzählten und montierten, gleichzeitig leichten und politischen, erschreckenden und spaßigen „Mein Herz tanzt". Eyad entdeckt beim Erwachsenwerden die Schätze im Koffer der geliebten Oma, die Musik des Freundes. Man amüsiert sich über den naiven jüdischen Austauschschüler aus den USA, leidet mit den Liebenden und dem schwer kranken Freund. Dabei läuft im Hintergrund Zeitgeschichte mit dem Libanon-Krieg und den Bombern, die ihren mörderischen Flug in Israel starten, bis zu den drohenden Angriffen aus dem Irak. Eran Riklis fügt seinen großartigen Filmen „Lemon Tree" (2007), „Die syrische Braut (2004) und „Cup Final" (1991) ein weiteres Meisterwerk hinzu.

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