25.5.15

Kiss the Cook

USA 2014 (Chef) Regie: Jon Favreau mit Jon Favreau, John Leguizamo, Emjay Anthony, Scarlett Johansson, Dustin Hoffman, Sofía Vergara, Oliver Platt 114 Min. FSK: ab 6

Nach seinen Mega-Projekten mit „Iron Man" brilliert das Multitalent Jon Favreau in dem kleinen, sehr, sehr feinen „Kiss the Cook" als Regisseur und Hauptdarsteller. Wie gut dieser Mann ist und inszeniert, zeigt die Anwesenheit von Scarlett Johansson, Robert Downey Jr. und Dustin Hoffman in einem köstlichen Arthouse-Film.

Jon Favreau schrieb, inszenierte und spielt die Figur des Gourmetkoch Carl Casper aus Los Angeles. Für seinen Chef, den Restaurantbesitzer Riva (Dustin Hoffman) verkauft er nun seit zehn Jahren sein ehemals hoffnungsvolles und hochgelobtes Talent. Dabei ist seine Ehe mit Inez (Sofia Vergara) gescheitert, die Treffen mit seinem 11-jährigen Sohn Percy (Emjay Anthony) verlaufen eher schwierig. Da bricht eine vernichtende Besprechung eines snobistischen Kritikers (Oliver Platt) in Carls Leben. Die noch dazu Recht hat, weil Carl wieder mal nicht kochen durfte, was er eigentlich kann. Nach einem herrlichen Eklat im vollbesetzten Restaurant landet der Sternekoch auf der Straße. Im übertragenen und wahren Wortsinn: Denn pleite und frustriert kehrt er nach Miami zurück und möbelt einen heruntergekommenen Imbisswagen auf.

Wie Carl mit seinem Souschef Martin (John Leguizamo) die Schrottkiste und vor allem die ersten kubanischen Grill-Sandwichs anrichten, ist ein vielfältiger Genuss. Ebenso der durch Twitter angetriebenen Road- und Erfolgstrip durch den Süden der USA. Die Spielfreude springt über, die mit spürbarer Begeisterung ausgesuchte, flotte Latino-Musik ist exquisit, dank hervorragenden Kamera sieht man, was lecker ist und was nicht! Man sollte diesen Film tatsächlich nicht hungrig sehen. Oder ein Essen für nachher eingeplant haben.

Dass auch Carls Sohn Percy voller Begeisterung mit brutzelt und reist, ist eine weitere, emotionale Ebene in dem sehr reichen Film. Denn wenn die Macht der Blogger aufs Korn genommen wird und der Restaurant-Chef aus wirtschaftlichen Gründen Mittelmäßigkeit aufs Menu setzt, lässt sich die Situation ganz einfach auf die Welt des Films übertragen. Da bräuchte es die Stichworte Popcorn und Futter für die Massen nicht - wobei der Favreau seinen keineswegs bierernsten Carl durchaus auch Popcorn essen lässt!

Wer ist dieser Jon Favreau, der uns diesen großartigen Leinwand-Genuss serviert, unter eigener Regie selbst die Hauptrolle übernimmt und dem dabei alles gelingt? Er ist eindeutig der Chef, von „Kiss the Cook", der im Original „Chef" heißt. Offensichtlich bekannt ist Favreau mit seinem Charakterkopf durch seine oft komödiantischen Rollen. Doch schon 1996 war er bei „Swingers" als Autor, Produzent und Darsteller dabei. Danach führte Regie bei der Komödie „Buddy - Der Weihnachtself" (2003) sowie den Science Fiction „Zathura - Ein Abenteuer im Weltraum" (2005) und „Cowboys & Aliens" (2011). Aber vor allem bei der gelungenen Comic-Verfilmung „Iron Man". Was das Auftreten von Robert Downey jr. bei seinem „Chef" erklärt.

Favreau selbst zeigt sich bei „Chef" in einigen Szenen als exzellenter Komiker, zwischendurch wird gekifft, als Initiationsritus auf den langen, schweißtreibenden Fahrten kippt „mann" sich Maisstärke in die Hose. Das ist auch mal herrlich bescheuert, aber vor allem voller Lebensfreude und -Mut. Insgesamt ist „Kiss the Cook" eine wundervolle Liebeserklärung für das was man mit Leidenschaft und Überzeugung gut macht.

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