18.5.15

Eine deutsche Jugend

F, CH, BRD 2015 (Une jeunesse allemande) Regie: Jean-Gabriel Périot 93 Min.

Dass der erste Studiengang der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) mit den Studenten Harun Farocki und Hartmut Bitomsky sowie dem späteren RAF-Terroristen Holger Meins noch eine ganz andere historische Marke setzte, ist mehr als eine Fußnote der politischen (Film-) Geschichte. Jean-Gabriel Périot zeigt nur mit Originalmaterial die Entwicklung von den Anfängen einer Filmemacher-Karriere bis zur Krise eines Staates und den Freiheits-Rechten seiner Bürger. „Eine deutsche Jugend" von Jean-Gabriel Périot, der in seinen preisgekrönten Kurzfilmen Archivbilder aufwendig zu scharfen Kommentaren über Gewalt und Geschichte komponierte, zeigt den Knotenpunkt zwischen der Deutschen Film- und Fernsehakademie und den Anfängen der RAF auf.

Die klare Argumentation von Ulrike Meinhof in rauchenden Herrenrunden ist in vielen Ausschnitten eindrucksvoll. (Witzigerweise entschloss sich auch ihre Gruppierung während der Auseinandersetzung mit dem Konkret-Verlages ihres Ex-Mannes zu einer Art „Lügenpresse"-Statement: Der Reporter von Panorama solle sich doch um seinen Laden kümmern, so wie sie es bei ihrem täten. Solange gäbe es kein Interview.) Studienfilme von Holger Meins und anderen setzen sich für Sicherheit am Arbeitsplatz und die Rechte der Arbeiter ein. Wieder nur mit Archivmaterial erlebt man die dramatische Radikalisierung und die Besetzung der dffb. Es folgt der Bombenterror der RAF Anfang der Siebziger Jahre, die Verhaftung von Meins und Baader, sowie später auch Ensslin. Dann der Tod von Meins in Haft nach einem Hungerstreik.

Aber auch die Äußerungen vor allem von rechten „christlichen" Politikern stellen ein Trauerspiel dar. Mit in Folge die BILD-Hetze gegen Böll und andere, die sich nur etwas differenziert äußerten. In einer weiteren genialen Volte kehrt Périot zum Film zurück, zu Fassbinder, der in einem seiner eigenen Filme das Entsetzen angesichts der Todesfälle von Baader, Meinhof und Ensslin nackt ausdrückt und darüber diskutiert, dass die Gesetze eines Rechtstaates aus für Terroristen gelten.

Jean-Gabriel Périots „Eine deutsche Jugend" ist sowohl von seiner packenden Machart her als auch thematisch eine Sternstunde des dokumentarischen Films.

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