26.5.15

Die Maisinsel

Georgien, BRD, Frankreich, Tschechien, Kasachstan 2014 (Simindis Kundzuli) Regie: George Ovashvili mit Ilyas Salman, Mariam Buturishvili, Irakli Samushia, Tamer Levent 101 Min. FSK: ab 0

Ein alter Mann legt mit seinem Kahn auf einer Insel an. Er kniet nieder, riecht nicht nur am Boden, er schmeckt ihn auch. Im Ablauf des Films besiedelt er die karge Insel und vollzieht den Prozess der Landgewinnung in einem übersichtlichen Mikrokosmos. Er baut - minutiös aufgenommen - eine Hütte, holt seine junge Enkelin hinzu und beginnt zu pflanzen.

Die Insel liegt im Grenzbereich zwischen Russland, Abchasien und Georgien. Konflikte drohen vor allem, das aber ständig: Durch die vorbei fahrenden Soldaten, denen vor allem als Männern alles zuzutrauen ist. Durch unterdrücktes Begehren auf der Insel selbst. Die Handlung bleibt fast wortlos, meist erfolgt die Kommunikation über ernste Blicke. Auch dadurch erhaltend die Bilder mit ihrer entrückten Schönheit viel Mythisches: Nachdem in der Nacht Jäger ein Reh auf der Insel erlegen, tropft auch Blut zwischen den Beinen der Enkelin herunter. Dann findet der alte Mann einen verwundeten Soldaten, versteckt und pflegt ihn.

So wie im großen Wachsen und Vergehen einer ganzen Insel die Taten der Menschen nichtig sind, bleiben auch diese Handlungselemente nur an der Oberfläche eines mit seinen Naturaufnahmen eindrucksvollen Films. „Die Maisinsel" erhielt den Hauptpreis beim Filmfestival in Karlsbad und war Georgiens Beitrag für den Auslands-Oscar. Dass der politische Hintergrund ein kriegerisch mörderischer ist, weil die Regionen Südossetien und Abchasien zwischen Georgien und Russland umkämpft sind, muss man nicht wissen. Denn „Die Maisinsel" will mit den Handlungen auf ihr universell gelten. Und bedeutungsvoll sein. Soweit, dass man bei Untergang der Insel nachdenkt, ob das jetzt reale Naturgewalt ist oder nur ein Symbol für die kriegerische Gewalt der Menschen, an der alles zugrunde geht. Das ist in der Einfachheit von Abläufen und Erzählung faszinierend, in der Bildgestaltung zeitweise betörend, aber auch etwas wenig für 100 Minuten Film. Vor allem, wenn man auch nach sieben Jahren den wesentlich eindrucksvolleren, dichteren Film „Delta" von Kornél Mundruczó (dessen „Underdog" in vier Wochen ins Kino kommt) noch immer im Kopf hat.

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